Wie man sich an einer österreichischen Kunsthochschule bewirbt: Die Erfahrungen von Anzhelika Palyvoda
Office Ukraine setzt seine Reihe von Erfahrungsberichten von Studierenden über den Bewerbungsprozess an österreichischen Kunsthochschulen fort. Viele Ukrainer:innen, die unser Office besuchen, interessieren sich dafür, wie sie ihre Ausbildung in Österreich fortsetzen können und welche Vorteile dies mit sich bringt. Kunsthochschulen unterscheiden sich von anderen Bildungseinrichtungen dadurch, dass sie keine klassische geisteswissenschaftliche Ausbildung anbieten, sondern die Möglichkeit bieten, kreative Fähigkeiten zu entwickeln und Teil der Kunstwelt zu werden. Die Aufnahme erfordert jedoch viel Aufwand, da die Konkurrenz um die Plätze recht groß ist. Wir haben uns entschlossen, Ukrainer:innen, die bereits in Österreich studieren, zu fragen, wie sie es geschafft haben und welche Ratschläge sie jenen geben können, die gerade über eine Bewerbung nachdenken.
Erzähl uns bitte kurz, an welchem Fachbereich du studierst und wie das Studium aufgebaut ist. Worin liegt der Unterschied zum ukrainischen Bildungssystem?
Ich studiere seit Oktober 2022 am Institut für Malerei (Malerei) an der Universität für angewandte Kunst Wien. Davor habe ich an der Nationalen Akademie der Bildenden Künste in Kyjiw (NAOMA) monumentale und Staffeleimalerei studiert. Obwohl die Fachbereiche ähnlich klingen, sind die Ansätze völlig unterschiedlich. NAOMA folgt einem eher klassischen, akademischen Modell mit viel Fokus auf Zeichnen, Anatomie und Perspektive. An der Angewandten ist das Studium offen und flexibel – Malerei ist nur ein möglicher Zugang, im Zentrum stehen vielmehr das Gespräch und theoretische Auseinandersetzung.
Wie laufen die Aufnahmeprüfungen ab? Wie viele Phasen gibt es? War es für dich schwierig aufgenommen zu werden und wie lange hast du dich vorbereitet?
Die Aufnahmeverfahren variieren je nach Institut, aber grundsätzlich gibt es mehrere Phasen. Zuerst reicht man ein Portfolio, ein Motivationsschreiben, den Lebenslauf und teilweise ein Motivationsvideo ein. Danach folgt meist eine Online-Session, in der Aufgaben aus Kunstgeschichte oder Theorie gestellt werden können, oft auch mit einem Reflexionstext. In der dritten Phase bekommt man eine kreative Aufgabe, die man in einem festgelegten Zeitraum (eine Stunde, drei Tage oder eine Woche) lösen muss – dabei ist der Denkprozess wichtiger als das Ergebnis. Die vierte Phase besteht in einem persönlichen Gespräch mit der Kommission, bei dem man seine Praxis, Ideen und Motivation erläutert. Oft wird auch gebeten, Originalarbeiten mitzubringen.
Als ich mich 2022 beworben habe, war es ein Sonderaufnahmeverfahren für ukrainische Studierende, deren Studium durch den Krieg unterbrochen wurde. Dadurch war die Bewerbung etwas vereinfacht – es reichte ein Portfolio, ein CV und ein Gespräch. Dieses Jahr habe ich mich zusätzlich für ein paralleles Studium in Kunstpädagogik beworben, und dort musste ich alle vier Stufen auf Deutsch durchlaufen. Das war herausfordernd, aber ich habe mich gut vorbereitet und viel recherchiert.
Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Auswahlkriterien?
Ehrlichkeit und Klarheit in Bezug auf die eigene Motivation, Ideen und künstlerische Praxis. Es hilft, wenn man sich breit informiert und vielseitig interessiert zeigt. Qualität zählt mehr als Quantität – ein reduziertes, durchdachtes Portfolio mit klaren Texten wirkt überzeugender als ein überfrachtetes.
Wie sollte man sich vorbereiten? Sind Alter oder Vorerfahrung wichtig? Welche Rolle spielt das Portfolio?
Ich empfehle, sich ein paar Tage für gründliche Recherche über das Institut, die Lehrenden und die Studierenden zu nehmen – über die Website, soziale Medien oder Homepages der Professor:innen. So bekommt man ein gutes Gefühl dafür, was einen erwartet. Alter und Herkunft spielen keine große Rolle, die Altersgruppe reicht von etwa 17 bis über 45 Jahre. Das Portfolio ist extrem wichtig – auf gute Bildqualität, präzise Beschriftungen und passende Texte achten. Und: Unbedingt auf das jeweilige Institut abstimmen!
Welche Tipps würdest du Bewerber: innen geben?
Neben dem, was ich schon gesagt habe: Kontakte helfen sehr. Wenn möglich, besucht Veranstaltungen von Studierenden, Tage der offenen Tür, Ausstellungen. Sprecht mit Studierenden vor Ort – so bekommt man oft die ehrlichsten und hilfreichsten Einblicke. Jede Erfahrung ist individuell, aber solche Gespräche können sehr weiterhelfen. Und: Keine Angst vor Absagen – auch das gehört zum Weg.
