Money in art: how Ukrainian artists build life in Austria
Laut Statistik leben in Österreich derzeit rund 80.000 Ukrainer:innen. Im Frühjahr waren in Wien 1.647 temporäre Vertriebene beim AMS (Arbeitsmarktservice Österreich) registriert. Darunter befanden sich 42 Personen, die als Künstler:innen registriert waren.
Mit Ende Jänner 2024 waren 6.572 Ukrainer:innen in Wien beschäftigt. Das AMS wies darauf hin, dass es die Beschäftigten nur nach ihrer Nationalität, nicht aber danach beurteilen kann, ob es sich um Vertriebene handelt. Es könnte sich also auch um Ukrainer:innen mit anderen Aufenthaltstiteln handeln. Außerdem besuchen 645 temporäre Vertriebene Kurse beim AMS.
Derzeit werden sie vor allem beim Erlernen der deutschen Sprache und in Anerkennungsverfahren unterstützt. Mit dem Schwerpunkt “Orientierung” bietet das AMS auch ein besonderes Service für ukrainische Frauen: „FAVoritIN_U – Frauenspezifische Arbeitsmarktvorbereitung und -orientierung mit Fokus auf Frauen aus der Ukraine 2024“.
Darüber hinaus hat die österreichische Regierung vor kurzem ein neues Gesetz verabschiedet, das jenen Ukrainer:innen zugutekommt, die länger als zwölf Monate arbeiten und mehr als 1.200 Euro pro Monat verdienen. Sie können eine Rot-Weiß-Rot-Plus-Karte erhalten. Sie wird ukrainischen Vertriebenen eine stabilere Aufenthaltsgenehmigung und zusätzliche Arbeitsperspektiven bieten.
Schwieriger Alltag
In Wien haben wir mit mehreren ukrainischen Künstler:innen gesprochen und sie gefragt, wie sie mit ihrer derzeitigen finanziellen Situation umgehen. Jede:r hat eine andere Geschichte, aber eine Menge schwieriger Alltagssituationen zu bestehen. Soweit es Office Ukraine bekannt ist, leben die meisten Künstler:innen von sozialer Unterstützung und Ersparnissen, andere haben Minijobs; einige kombinieren ihre künstlerische Tätigkeit mit Nebenjobs außerhalb des Kunstbereichs. Ihre Geschichten sind jedoch sehr unterschiedlich. Manche konnten sich in der Ukraine nie vorstellen, von der Kunst zu leben, aber in Österreich haben sie es geschafft.

Kateryna Kurlova aus Charkiw zum Beispiel hat früher Schnittstellen für Handyspiele und Apps entworfen. Seit sie in Österreich lebt, widmet sie sich ganz der Malerei und hat die digitale Kunst hinter sich gelassen. „Bereits in meiner zweiten Woche in Österreich habe ich meine Arbeit bei einer Ausstellung in Gmunden präsentiert und sie für 800 EUR verkauft. Dieser Erfolg ermöglichte es mir, praktisch bei Null anzufangen, neue Materialien zu erwerben und meine kreativen Bestrebungen weiter aktiv zu verfolgen. In der Ukraine hätte ich ohne einen bekannten Namen keine solche Möglichkeit gehabt, meine Arbeiten erfolgreich und gewinnbringend zu verkaufen. Österreich hat sich als sehr aufgeschlossen gegenüber Künstler:innen erwiesen.”
Arina Pryputneva aus Kyiv hatte viele Jahre als angewandte Künstlerin und Kunsttherapeutin in der Ukraine gearbeitet, konnte aber in Österreich kaum eine Möglichkeit finden. „Ich habe keinen einzigen Cent mit meiner Arbeit in Österreich verdient. Meine Möglichkeiten hier sind sehr begrenzt. Ich kann nicht einmal unterrichten oder Kunstworkshops abhalten.“ Arina bringt das mit dem System des Kunstmarktes und Deutschsprachkenntnissen in Verbindung, die viele Ukrainer:innen bisher nicht haben.

Keine Garantie für finanzielle Sicherheit
Danylo Kovach aus Saporischschja, der an zahlreichen Ausstellungen in Europa und darüber hinaus teilgenommen hat, konstatiert, dass der Beruf eines Künstlers / einer Künstlerin keine dauerhafte finanzielle Sicherheit garantiert, ob in der Ukraine oder anderswo auf der Welt. „Wenn ein:e Künstler:in keinen Vertrag mit einer führenden Galerie, einer Institution oder einem Geschäftspartner / einer Geschäftspartnerin hat, die / der sich um alle organisatorischen Fragen kümmert, ist es nicht einfach, von der Arbeit zu leben. Deshalb war es in der Ukraine einfacher, weil es bereits einen Kreis von Akteur:innen gab, die den Künstler:innen halfen, ihr Publikum zu finden“, fügt Danylo hinzu.
Danylo kam 2022 mit seiner schwangeren Frau nach Österreich, wo sie nun ihren Sohn großziehen. Gleich nach seiner Ankunft in Wien hat er sich beim AMS beworben, aber im Bewerbungsformular gab es keine Kategorie für professionelle Künstler:innen. „Meine Frau und ich sind beide junge, ambitionierte Künstler:innen und haben einen in Wien geborenen Sohn, der 20 Monate alt ist und noch nicht in den Kindergarten geht. Daher ist die Integration für uns ein ziemlich schwieriger Prozess. Natürlich sind die Sprachkenntnisse entscheidend. Ich habe versucht, online Deutsch zu lernen, war damit aber nicht sehr erfolgreich. Ich bereitete mich in dieser Zeit auf eine Einzelausstellung vor und verbrachte den Rest der Zeit mit meinem Kind. Wir haben zwei österreichische Freunde, die wir aber zu selten sehen, um regelmäßig deutsch mit ihnen zu üben.. Leider gibt es in Österreich die Tendenz, dass man an einer Kunstuniversität studieren oder ein:e erfolgreiche:r Künstler:in sein muss, um wahrgenommen zu werden“, bemerkt Danylo.

Kateryna Kurlova war von Beginn ihres Aufenthalts in Österreich über das AMS und auf eigene Faust auf Jobsuche. Trotz ihrer Bemühungen war es ihr jedoch nicht möglich, einen geeigneten Job zu finden, der direkt mit Kunst zu tun hatte, da es kein breites Angebot an Arbeitsmöglichkeiten für Künstler:innen gibt und ihre Deutschkenntnisse unzureichend waren.
Stattdessen begann sie, auf eigene Faust Ausstellungen und Verkäufe zu organisieren. „Als ich in Österreich ankam, wurde ich von einer Familie aus Traunkirchen aufgenommen, die mir im neuen Land zur Seite stand. Dank ihrer Hilfe konnte ich meine Arbeiten in meiner ersten Ausstellung zeigen. Mit meinem letzten Geld kaufte ich Leinwand und Farben und schuf in wenigen Nächten einige Bilder. Mein Optimismus und meine harte Arbeit wurden belohnt, als ich mein erstes Werk verkaufte und die Medien auf mich aufmerksam wurden. Dieser Erfolg war für mich eine angenehme Überraschung, denn in der Ukraine war die Nachfrage nach meinen Arbeiten gering. Zu Beginn meines Aufenthalts in Österreich, im ersten Jahr, schien ein stabiles Einkommen im Kunstbereich ohne einen festen Arbeitsplatz in irgendeinem Unternehmen fast unerreichbar. Doch mit der Zeit wurde es für mich immer einfacher, verschiedene Möglichkeiten zu finden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ich nach und nach neue Kontakte knüpfen und meinen sozialen Kreis erweitern konnte. Sich zu etablieren und einen guten Ruf aufzubauen, erfordert Zeit und Arbeit, aber es zahlt sich schließlich aus“, schließt Kateryna.
Danylo, der regelmäßig ausstellt, sagt, er habe den Eindruck, dass die Österreicher:innen Angst haben, Kunst von Ukrainer:innen zu kaufen, weil sie nicht wissen, ob das überhaupt legal ist. „Künstler:in zu sein ist ein Beruf. Viele Menschen nehmen die künstlerische und intellektuelle Arbeit nicht ernst und verwechseln die Begriffe Hobby und Beruf“, fügt er hinzu.
Die meisten Künstler:innen, mit denen wir sprachen, waren sich einig, dass Österreich derzeit zahlreiche Möglichkeiten für Künstler:innen bietet: verschiedene Arten von Förderungen, Artist Residencies und Atelierräume, aber der Lernprozess, um davon zu profitieren, braucht Zeit. Danylo erwähnt, dass er das letzte halbe Jahr damit verbracht hat, Bewerbungen zu schreiben und sich auf verschiedene offene Ausschreibungen zu bewerben.
Informationen zu Förderungsmöglichkeiten
Office Ukraine informiert die ukrainische Kunstszene regelmäßig über Fördermöglichkeiten in Österreich, darunter auch über die Sonderförderung des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport. Mehr als 200 Künstler:nnen haben bisher Stipendien vom BMKOES erhalten.
Wir haben die Künstler:innen auch gefragt, welche Art von Unterstützung sie brauchen und woran es in Wien mangelt. Arina Pryputneva stellt fest, dass es schwierig ist, Atelierräume zu bekommen. Kateryna Kurlova fügt hinzu, dass der digitale Bereich und alles, was mit der Spieleindustrie in Verbindung gebracht werden könnte, in Österreich nicht wirklich entwickelt ist. Sie ist auch der Ansicht, dass es in Österreich nicht genug Unterstützung für internationale Künstler:innen gibt, insbesondere für Künstler:innen aus Drittstaaten. Sie erwähnt auch einen generellen Mangel an Information, Beratung und administrativer Unterstützung und schätzt deshalb die Unterstützung durch Office Ukraine.
Danylo Kovach formuliert seine Anliegen, auch wenn er deren Realisierung als unrealistisch einschätzt: Er wünscht sich flexible steuerliche Bedingungen für selbständige Künstler:innen, reduzierte Ateliermieten, klar festgelegte Honorare für Einzel- und Gruppenausstellungen und ein staatlich gesichertes Grundeinkommen sowie Online- und Offline-Plattformen, die Künstler:innen mit Flüchtlings-, Migrations- und temporärem Vertriebenenhintergrund präsentieren könnten.
Die Überlegungen spiegeln die aktuelle Situation der Künstler:innen wider, die hoffen, sie werden von denjenigen gehört, die die Kulturpolitik im Land gestalten.
