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„Es ist unklar, wie es nächstes Jahr weitergeht”

Text: Felix Neumann

Im März 2025 endet laut derzeitigem Stand die EU-Massenzustrom-Richtlinie. Die bildende Künstlerin Valeriia Lysenko und die Digital Media Künstlerin Svitlana Zhytnia erzählen, warum ihnen das kommende Jahr Sorgen bereitet und wie sich ihr Leben und Wirken in Graz verändert hat.

Zu Beginn ein kurzer Überblick: Die Massenzustrom-Richtlinie der EU bietet Vertriebenen aus der Ukraine seit März 2022 sofortigen und vorübergehenden Schutz. Sie ermöglicht es abseits eines Asylverfahrens, sich in einem Mitgliedstaat aufzuhalten, dort zu wohnen und einer Arbeit nachzugehen. Die Richtlinie für die mehr als vier Millionen ukrainischen Vertriebenen in der EU wurde mehrfach verlängert, zuletzt beschloss der EU-Rat im Herbst 2023 eine Fortsetzung bis 2025.1 Damit ist die Höchstdauer von drei Jahren, wie sie in der Richtlinie festgelegt ist, erreicht. Der vorübergehende Schutzstatus endet aus jetziger Sicht am 4. März 2025.2 Was sich für Ukrainer:innen in Österreich dann ändert, steht noch nicht fest.

Eine Möglichkeit wurde im April 2024 im Ministerrat diskutiert: Die österreichische Regierung kündigte an, sie wolle die „Rot-Weiß-Rot-Karte plus“ auch Ukrainer:innen ausstellen. Der freie Zugang zum Arbeitsmarkt soll ihnen so weiterhin erhalten bleiben. Um die Karte zu beantragen, ist es allerdings notwendig, innerhalb von zwei Jahren bereits zwölf Monate lang gearbeitet zu haben. Dabei muss man ein durchschnittliches Netto-Einkommen von mindestens 1.200 Euro erhalten haben.3 Das sei nur bei einem kleinen Teil der in Österreich lebenden Ukrainer:innen der Fall, kritisierte etwa die Caritas. Die „Rot-Weiß-Rot-Karte plus“ sei ein guter Schritt, müsse aber ein Teil einer umfassenden Lösung sein.4 Die Regierung erwartet sich durch die Karte Verbesserungen für circa 7.000 der knapp 50.000 vertriebenen Ukrainer:innen in Österreich im erwerbsfähigen Alter.5

Schon seit zwei Jahren können Ukrainer:innen in Österreich einen Ausweis für Vertriebene beantragen, auch bekannt als “Blaue Karte”.6 Damit verbunden sind Krankenversicherung, Arbeitserlaubnis und eine Grundversorgung, die ein Quartier und Taschengeld, etwa für Verpflegung, beinhaltet. Arbeiten ist für Bezieher:innen der Grundversorgung nur bis zu einer gewissen Zuverdienstgrenze möglich.7 Verdient man zu viel, riskiert man die Grundversorgung oder die Unterkunft zu verlieren. Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) schlug in der Vergangenheit bereits vor, bei den Vertriebenen von der Grundversorgung auf Sozialhilfe umzusteigen.8

Die bildende Künstlerin Valeriia Lysenko lebt seit November 2022 in Graz und konnte bereits zahlreiche Projekte realisieren. Eine ihrer künstlerischen Arbeiten war bereits  auf der Titelseite der Kleinen Zeitung zu sehen. Nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Wien ist auch Svitlana Zhytnia, Digital Media Künstlerin, im Sommer 2022 nach Graz gezogen. Ähnlich wie Valeriia verfügt auch sie über ein ausgeprägtes Netzwerk in der Kunst- und Kulturszene.

Im Folgenden sprechen die Künstlerinnen Valeriia und Svitlana von der doppelt prekären Arbeitssituation als Künstlerin mit Vertriebenenstatus in Österreich und den damit verbundenen Zukunftsängsten.

Wovon lebt ihr gerade als Künstlerinnen, wie verdient ihr Geld?

Svitlana: Es ist besser als gedacht. Als ich die Ukraine verlassen habe, wollte ich nur den Bomben entkommen. In Österreich fand ich nicht nur Zuflucht, sondern konnte auch künstlerisch wachsen. Üblicherweise suche ich um unterschiedliche Förderungen von Bund, Land und Stadt an. Dadurch werden Projekte realisier- und benötigtes Material leistbar. Ich bin ständig auf der Suche nach Kooperationspartner:innen und Netzwerken. Manchmal sind die Honorare höher, manchmal geringer. Im Frühling, Sommer und Herbst hat meine Branche beispielsweise Hochsaison.

Valeriia: Ich stimme vollkommen zu, dass wir Künstler:innen über kein stabiles Einkommen verfügen. Arbeitsintensive Phasen mit vielen Projekten gleichzeitig und projektarme Phasen wechseln einander ab. Meine Haupteinnahmequellen sind Residencies, aktuell beziehe ich beispielsweise ein dreimonatiges Stipendium – das hätte es in der Ukraine nicht gegeben. Künstlerische Arbeiten und Print-Experimente sind dadurch leistbarer. Ich bewerbe mich für viele Ausschreibungen, Stipendien, Zuschüsse und Ausstellungen. Außerdem beteilige ich mich an Workshops und verkaufe meine künstlerischen Arbeiten.

Welches Thema beschäftigt euch gerade?

Valeriia: Die Zukunft bzw. das kommende Jahr beschäftigen mich sehr. Es ist noch unklar, wie es nach dem Ende der Vertriebenen-Richtlinie weitergehen wird, die gilt vorerst nur bis März 2025. Das bereitet mir Angst.

Was wünscht ihr euch, was soll sich ändern?

Svitlana: Ich hoffe und wünsche mir, dass wir Ukrainer:innen auch nach dem Ende der Vertriebenen-Richtlinie weiterhin Unterstützung in Österreich erhalten. Vor allem, weil ich nicht glaube, dass der Krieg in der Ukraine nächstes Jahr enden wird. Sicherheit für ein Leben in der Ukraine wäre aus aktueller Sicht nicht gewährleistet. Valeriia kann beispielsweise nicht zurück nach Mariupol, da die Stadt besetzt und zerstört ist.

Valeriia: Dort habe ich kein Zuhause mehr. Durch die Zerstörung und den Krieg wurden meine Wurzeln gekappt. Vorhandene Arbeit und eine kleine Wohnung erlauben es mir jedoch, in Österreich „anzukommen“.

Svitlana: Ich bin auch davon überzeugt, dass Ukrainer:innen einen wichtigen Beitrag für die gesellschaftliche Entwicklung in Österreich leisten können. Viele talentierte Künstler:innen aus der Ukraine bereichern die österreichische Kunst- und Kulturszene, was auch wertgeschätzt wird.

Also wollt ihr in Österreich bleiben, auch wenn der Krieg hoffentlich bald endet?

Valeriia: Ja, da auch ein Großteil meiner Familie und Freund:innen nicht mehr in der Ukraine beheimatet ist und aktuell in unterschiedlichen Ländern lebt. Ich habe hier noch kein Heimatgefühl, dennoch fühlt sich Graz immer stärker nach einem Zuhause an.

Svitlana: Wegen meiner Familie würde ich neben Österreich auch gerne in der Ukraine leben. Regelmäßiger physischer Kontakt zu meiner Mutter, meinem Bruder und meinen Nichten wäre mir wichtig. In Österreich gibt es jedoch mehr Möglichkeiten, mich als Künstlerin weiterzuentwickeln als beispielsweise in einem Nachkriegsland, in welchem Kunst nicht an erster Stelle steht.

Das Leben als Künstlerin kann sehr herausfordernd sein. Was treibt euch dabei an?

Svitlana: Nachdem ich in der Vergangenheit in unterschiedlichen Professionen und Bereichen tätig war, realisierte ich, dass genau das meine Leidenschaft ist – bei Musikveranstaltungen, unabhängig vom Genre zu arbeiten. Damit habe ich für mich den Sinn des Lebens gefunden.

Valeriia: Ist man im Kunst- und Kulturbereich tätig, dann gibt es keine Grenzen. Dadurch ist es möglich, persönlich und beruflich zu wachsen. Es ist nicht immer leicht, aber die damit verbundenen Tätigkeiten und Herausforderungen sind unglaublich spannend.

  1. Flüchtlinge aus der Ukraine: EU-Mitgliedstaaten vereinbaren Verlängerung des vorübergehenden Schutzes – Consilium (europa.eu)
  2. siehe Artikel 4 & 6 sowie Ukraine: Europäischer Rat verlängert Vorübergehenden Schutz bis 04.03.2025 – Berlin hilft! (berlin-hilft.com) sowie Flüchtlingskoordinator Achrainer: Ukraine-Vertriebene im Wartedilemma (profil.at)
  3. https://www.diepresse.com/18354025/rot-weiss-rot-karte-plus-steht-kuenftig-ukraine-fluechtlingen-offen (10.04.2024 APA0221); Regierung öffnet Arbeitsmarkt für bereits beschäftigte Vertriebene aus Ukraine zur Gänze – Inland – derStandard.at › Inland
  4. Caritas: Umstieg auf regulären Aufenthaltstitel für ukrainische Vertriebene bleibt für den Großteil der Vertriebenen ungeklärt: Caritas Österreich
  5. siehe Fußnote 3
  6. Blaue Karte: Ausweis für Vertriebene » alle Infos | AMS; Produktionsstart der Karte für Ukraine-Vertriebene (bmi.gv.at)
  7. Ukraine: Caritas hilft Flüchtlingen in der Steiermark: Caritas Steiermark (caritas-steiermark.at)
  8. Grundversorgung wird zum Integrationsproblem für Ukraine-Geflüchtete – Arbeitsmarkt – derStandard.at › Wirtschaft