„Wir können uns nicht länger hinter der ukrainischen Community verstecken“

Bildnachweis: Florian Nussbaumer
Mitglieder der zivilgesellschaftlichen Interessensgemeinschaft Österreicher:innen für die Ukraine über österreichische Solidarität mit der Ukraine, digitale Gegenwehr, Mahnwachen und ein Buch, das aus Engagement entstand.
Interview: Office Ukraine
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine engagieren sich in Österreich viele Menschen auf unterschiedliche Weise: mit Spenden, Demonstrationen, Informationsarbeit, Hilfsprojekten oder politischem Druck. Roswitha Fitzka, Werner Steinacher, Maresi McNab und Robert Kana gehören zu jenen Österreicher:innen, die sich seit 2022 kontinuierlich für die Ukraine einsetzen. Sie organisieren Mahnwachen, diskutieren online gegen russische Desinformation, unterstützen Projekte in der Ukraine und haben gemeinsam mit anderen ein Buch geschrieben, das helfen soll, die Ukraine besser zu verstehen. Ihr Engagement begann nicht mit einer langjährigen Expertise, sondern mit einem moralischen Schock – und entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer Form zivilgesellschaftlicher Verantwortung.
Office Ukraine: Wer sind Sie, und welche Verbindung hatten Sie zur Ukraine vor 2022?
Roswitha Fitzka:
Ich bin von meiner Ausbildung her Philosophin, habe aber eigentlich nie wirklich als Philosophin gearbeitet. Ich war in der Privatwirtschaft tätig und habe vor meiner Pensionierung das Backoffice einer Anwaltskanzlei geleitet. In der Ukraine selbst war ich bisher noch nicht, aber ich habe inzwischen viele Kontakte zu Menschen, die dort leben.
Maresi McNab:
Ich bin Österreicherin und habe in der Werbebranche gearbeitet, im Bereich Werbefilm. Seit ich in Pension bin, bin ich umso mehr interessiert und aktiv geworden. Ich war mittlerweile zweimal in der Ukraine, einmal in Lwiw und einmal in Kyjiw. Und ich bin sicher: Das war garantiert nicht das letzte Mal. Viele Menschen hier kenne ich ursprünglich über den Liveticker des Standard. Aus diesem digitalen Raum heraus sind Kontakte, Freundschaften und schließlich auch Aktivismus entstanden.
Werner Steinacher:
Ich war bis 2019 Rechtsanwalt in Salzburg und habe mich schon früher gesellschaftlich engagiert, unter anderem im Bereich Mediation und im Friedensbüro Salzburg. Zur Ukraine kamen wir ziemlich abrupt ab dem 24. Februar 2022. An diesem Tag waren wir vor der russischen Botschaft in Wien. Dort waren hauptsächlich Ukrainer:innen und Menschen aus Georgien, aber relativ wenige Österreicher:innen. Da hat es für uns begonnen.
Ich habe im Herbst 2024 die Ukraine besucht, um unsere Projekte zu besichtigen und unsere wichtigsten Kontaktpersonen auch direkt kennen zu lernen, eine zweiwöchige Reise in den Westen der Ukraine (Stryi und Lwiw), Kryvyj Rih in der Mitte der Ukraine und Pavlohrad im Osten (Donbas).
Robert Kana:
Ich habe in Beratung und Hochschullehre gearbeitet. Der russische Angriff auf die Ukraine war für mich ein Einschnitt. Seitdem beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema und engagiere mich auf unterschiedlichen Ebenen.
Roswitha Fitzka:
Ich glaube, wir müssen ehrlich sagen: Wir hatten damals kein tiefes Wissen über die Ukraine. Aber wir hatten dieses klare Gefühl: Das darf nicht passieren. Dass in Europa ein Land ein anderes überfällt – das konnte man nicht einfach hinnehmen.
OU: Ein Teil dieses Engagements begann online. Welche Rolle spielte dabei die Community rund um den Liveticker des Standard?
Robert Kana:
Eine sehr große. Im Standard gab es zunächst Artikel zum Krieg, später einen Liveticker, unter dem kommentiert werden konnte. Dort wurde schnell sichtbar, wie präsent russische Narrative waren. Das war für viele von uns schwer auszuhalten. Wenn man regelmäßig schreibt, wird man irgendwann wahrgenommen – auch unter einem Pseudonym. So entstand eine Community, die sich argumentativ gegen russische Propaganda positionierte.
Roswitha Fitzka:
Das Entscheidende war: Wenn ein typischer russischer Input kam, gab es nicht nur eine Antwort. Es gab zwanzig Antworten – und die waren gut argumentiert.
Robert Kana:
Es geht letztlich um die Frage, wer die Deutungshoheit gewinnt. Was uns gelungen ist, war, dass diese Plattform nicht völlig von russischer Trollerei dominiert wurde. Später entstand daraus eine Matrix-Gruppe mit mehreren hundert Personen. Dort werden Informationen gesammelt, Quellen geteilt und Treffen organisiert.
Maresi McNab:
Für mich war dieser Liveticker am Anfang tatsächlich eine Art Zuhause. Viele Menschen, die ich heute persönlich kenne, habe ich dort zum ersten Mal wahrgenommen. Inzwischen engagiere ich mich stärker bei den Mahnwachen und anderen Aktivitäten, aber der Ursprung vieler dieser Beziehungen liegt dort.
Roswitha Fitzka:
Was ich besonders schätze, ist die Bereitschaft vieler Menschen, ihr Wissen zu teilen. Manche kenne ich bis heute nicht persönlich. Aber ich weiß, dass die Informationen, die sie zusammentragen, sorgfältig recherchiert sind. Das ist enorm wertvoll.

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OU: Irgendwann wurde aus digitalem Engagement auch öffentliche Präsenz. Wie kam es zu den Mahnwachen?
Roswitha Fitzka:
Die Initiative zur Mahnwache kam nicht ausschließlich aus dem Umfeld des Standard-Forums. Es waren auch Menschen beteiligt, die unsere Hilfsprojekte schon länger unterstützten, Freund:innen und Bekannte, die ähnliche Fragen beschäftigten. Irgendwann wurde uns klar: Wir können uns nicht länger hinter der ukrainischen Community verstecken. Die Ukrainer:innen standen seit Beginn des Krieges auf der Straße, haben demonstriert, informiert und Haltung gezeigt. Aber wir fanden, dass auch wir als Österreicher:innen öffentlich Position beziehen müssen. Große Demonstrationen zu organisieren, wäre für uns nicht realistisch gewesen. Dafür waren wir schlicht zu klein. Aber wir konnten eine regelmäßige Mahnwache organisieren – offen für alle, die sich anschließen möchten.
Robert Kana:
Für mich war das eine Fortsetzung unserer Online-Arbeit. Dort haben wir argumentiert, hier stehen wir im öffentlichen Raum. Beides gehört zusammen. Es geht darum, sichtbar zu machen, dass Unterstützung für die Ukraine keine ausschließlich ukrainische Angelegenheit ist.
OU: Wie haben sich die Mahnwachen im Laufe der Zeit verändert?
Roswitha Fitzka:
Am Anfang hatten wir nur ein Transparent: „Russland raus aus der Ukraine.“ Dann merkten wir, dass das zu wenig ist. Also kam ein zweites dazu: „Schluss mit dem brutalen russischen Angriffskrieg.“ Und irgendwann dachten wir: Wir brauchen auch eine positive Botschaft. Daraus entstand der dritte Satz: „Für eine gemeinsame Zukunft in Frieden, Freiheit und Demokratie.“ Diese drei Aussagen bilden bis heute den Kern unserer Mahnwachen. Wir haben inzwischen auch einen bestimmten Ablauf entwickelt. Jemand hat einmal gesagt, es sei fast liturgisch – und irgendwie stimmt das vielleicht. Wir beginnen häufig mit einem Text, manchmal mit einem Gedicht von Taras Schewtschenko. Es gibt Informationen zur aktuellen Situation in der Ukraine, Musik, Beiträge von Teilnehmer:innen und inzwischen auch einen kleinen Block mit positiven Nachrichten aus der Ukraine. Jede und jeder kann sich beteiligen. Manche halten einfach ein Transparent, andere sprechen oder lesen Texte vor.
Maresi McNab:
Ganz banal betrachtet hat uns auch das Wetter geholfen. Wir haben im Winter begonnen – bei Dunkelheit und Minusgraden. Da interessierte sich kaum jemand für uns. Mit dem Frühling wurden wir sichtbarer.
Robert Kana:
Es gibt zwei Ebenen. Einerseits sprechen wir zu jenen, die bereits gekommen sind. Andererseits geht es um die Menschen, die vorbeigehen. Viele sehen: Da stehen Menschen für die Ukraine – und alles ist auf Deutsch. Das irritiert zunächst. Man erwartet Ukrainer:innen, aber nicht unbedingt Österreicher:innen. Diese Irritation kann zum Nachdenken anregen.

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OU: Wie reagiert die Öffentlichkeit auf Ihre Mahnwachen?
Robert Kana:
Es gibt viel Zuspruch, aber natürlich auch Anfeindungen. Manche kommen aus eindeutig pro-russischen Milieus, andere aus verschwörungsideologischen Zusammenhängen. Wir versuchen dann mit Argumenten und Fakten zu reagieren.
Maresi McNab:
Es gab auch unangenehme Situationen. Einmal hatten wir es mit einem aggressiven Betrunkenen zu tun. Aber insgesamt überwiegen die positiven Erfahrungen.
Roswitha Fitzka:
Ich glaube, die ukrainische Community hat uns am Anfang mit einer gewissen Zurückhaltung beobachtet. Aber inzwischen haben wir dort ein gutes Standing, weil wir drangeblieben sind. Die Menschen wissen: Wenn sie donnerstags kommen, sind da Österreicher:innen, die gegen den russischen Angriffskrieg und für eine demokratische Zukunft der Ukraine eintreten.
OU: Parallel dazu unterstützen Sie konkrete Projekte in der Ukraine. Was genau machen Sie?
Roswitha Fitzka:
Das begann sehr praktisch. Wir unterstützten Projekte in Krywyj Rih – mit Verbandsmaterial, blutstillenden Mitteln, Lebensmitteln, Generatoren und später auch mit Beiträgen für Schutzräume. Wir haben Freund:innen, Familie, ehemalige Kolleg:innen und Bekannte angesprochen. Wir haben das nie besonders groß inszeniert. Manchmal haben wir scherzhaft gesagt, wir seien die kleinste NGO pro Ukraine.
Werner Steinacher:
Aber auch eine kleine NGO bedeutet viel Arbeit. Es geht um Kommunikation, Organisation, Vertrauen. Man muss Spenden sammeln, Kontakte pflegen und dafür sorgen, dass die Unterstützung tatsächlich dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Roswitha Fitzka:
Und genau daraus entstand auch der Wunsch, besser argumentieren zu können. Menschen, die unterstützen, möchten verstehen, warum ihre Hilfe wichtig ist. Sie möchten selbst erklären können, warum die Ukraine Unterstützung braucht.

Bildnachweis: Werner Steinacher
OU: Damit kommen wir zu Ihrem Buch. Wie entstand die Idee?
Roswitha Fitzka:
Am Anfang stand überhaupt keine Buchidee. Wir hatten 2022 kein besonders tiefes Wissen über die Ukraine. Wir hatten dieses starke Gefühl, dass das, was geschieht, nicht richtig ist – aber wir mussten vieles selbst erst lernen. Je länger wir uns engagierten, desto häufiger wurden uns Fragen gestellt: Warum ist die Ukraine so wichtig? Woher kommen bestimmte russische Narrative? Warum reicht es nicht zu sagen, dass „beide Seiten“ schuld seien? Deshalb entstand zunächst eine kleine Broschüre von etwa vierzig Seiten, in der wir einige der häufigsten Propagandanarrative widerlegten. Als diese Broschüre fertig war, merkten wir: Das reicht nicht. Es braucht mehr Hintergrundwissen.
Werner Steinacher:
Wir wollten Material für Menschen schaffen, die grundsätzlich solidarisch mit der Ukraine sind, aber sich nicht selbst durch unzählige Fachbücher arbeiten können.
Zum Buch: Steinacher, Werner (Hrsg.): Ukraine – Fragen und Antworten. Das Wichtigste zu Geschichte und Gegenwart. Hannover/Stuttgart. ibidem-Verlag, 2025.
Robert Kana:
Das betrifft viele Menschen. Sie spüren, dass die Ukraine unterstützt werden muss, haben aber nicht immer die Argumente zur Hand, wenn sie mit russischen Erzählungen konfrontiert werden.
Roswitha Fitzka:
Wir hätten uns nie vorstellen können, einmal ein Buch zu schreiben. Aber genau das ist vielleicht eine der wichtigsten Erfahrungen dieses Engagements: Man wächst in Aufgaben hinein, die man sich vorher nicht zugetraut hätte. Wir haben ungefähr eineinhalb Jahre an dem Buch gearbeitet. Es gab intensive Diskussionen – über Geschichte, Begriffe, Perspektiven und darüber, wie man die Geschichte der Ukraine erzählen kann, ohne alte imperiale Denkmuster zu reproduzieren.
Robert Kana:
Viele von uns sind mit einer sehr russisch geprägten Sicht auf diese Region aufgewachsen. Diese Kategorien zu hinterfragen und neu zu lernen, ist ein längerer Prozess.
Maresi McNab:
In der Schule erschien der sogenannte Ostblock oft als ein einziger grauer Block. Die Unterschiede zwischen Russland, der Ukraine, Belarus wurden kaum vermittelt. Auch wir mussten vieles erst lernen.
Roswitha Fitzka:
Genau deshalb wollten wir dieses Buch schreiben – für Menschen, die offen sind, die mehr verstehen wollen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen.
OU: Wie fanden Sie einen Verlag?
Werner Steinacher:
Wir wussten zunächst gar nicht, wie man so etwas macht. Ein Freund erklärte uns die ersten Schritte – wie man ein Exposé schreibt, Textproben vorbereitet und Verlage kontaktiert. Schließlich haben wir ungefähr 26 Verlage angeschrieben.
Roswitha Fitzka:
Die Zusage des ibidem-Verlags kam dann überraschend schnell. Das passte gut zu unserem Projekt, weil der Verlag bereits einen Schwerpunkt auf Osteuropa und die Ukraine hatte. Besonders wichtig war uns, dass das Buch nicht nur informativ, sondern auch zugänglich ist. Über unsere Kontakte konnten wir vier ukrainische Künstlerinnen gewinnen, die die Gestaltung mitentwickelten. Die Ukraine sollte nicht nur Thema sein, sondern auch durch ukrainische Stimmen sichtbar werden. Und es gab noch etwas, das uns sehr berührt hat: Der Autor, Historiker und Slawist Martin Pollack erklärte sich bereit, das Geleitwort zu schreiben. Er war damals bereits schwer krank und schrieb es dennoch innerhalb weniger Tage. Das war für uns eine große Ermutigung.
Maresi McNab:
Es war auch eine besondere Form der Anerkennung. Das hat dem Projekt viel bedeutet.
Roswitha Fitzka:
Heute stellen wir das Buch bei Veranstaltungen vor und bringen es dorthin mit. Es war nie als kommerzielles Projekt gedacht. Für uns ist es Teil unserer Bildungsarbeit – ein Versuch, Wissen zugänglich zu machen und zu zeigen, dass man sich auch als Nicht-Expert:in mit der Ukraine auseinandersetzen kann.
OU: Würden Sie sagen, dass Ihr Engagement heute nicht nur gegen den Krieg gerichtet ist, sondern auch gegen Unwissen?
Robert Kana:
Ja, absolut. Unwissen ist nicht neutral. Wenn bestimmte Narrative immer wieder wiederholt werden, prägen sie die öffentliche Meinung. Und Politiker reagieren wiederum auf diese öffentliche Meinung. Es geht nicht darum, Menschen zu belehren. Aber wir müssen Räume schaffen, in denen differenziertes Wissen zugänglich wird.
Roswitha Fitzka:
Ich finde, man darf nicht so tun, als wären alle Informationen gleichwertig. Wenn etwas nachweislich falsch ist, dann sollte man das auch benennen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass man Menschen nicht durch Vorwürfe erreicht. Man muss Möglichkeiten schaffen, Fragen zu stellen und gemeinsam zu lernen.
Maresi McNab:
Und manchmal beginnt das ganz klein. Durch ein Gespräch bei einer Mahnwache. Durch ein Buch. Durch jemanden, der plötzlich merkt: Ich wusste das alles gar nicht.

Bildnachweis: Werner Steinacher. Der mit Unterstützung österreichischer Spenden errichtete Luftschutzkeller einer Kirchengemeinde in der Ukraine dient heute als Schutzraum und multifunktionaler Begegnungsort für die lokale Gemeinschaft.
OU: Wie sehen Sie die Zukunft der Ukraine in Europa?
Maresi McNab:
Für mich gibt es keine wirkliche Alternative zu einer europäischen Zukunft der Ukraine. Wenn man die verschiedenen Möglichkeiten durchdenkt, erscheint alles andere widersinnig. Die Ukraine hat in den vergangenen Jahren einen enormen Preis bezahlt. Ich glaube, sie wird die Zukunft Europas wesentlich mitgestalten.
Robert Kana:
Dem kann ich nur zustimmen. Die Ukraine gehört für mich in die Europäische Union.
Roswitha Fitzka:
Und ich denke, dass Unterstützung nicht mit dem Ende der Kampfhandlungen aufhören darf. Es wird um Wiederaufbau gehen, um langfristige Beziehungen und darum, zuzuhören, was die Menschen in der Ukraine selbst brauchen.
Werner Steinacher:
Solidarität darf nicht davon abhängen, ob ein Thema gerade in den Nachrichten präsent ist oder nicht.
OU: Was möchten Sie mit Ihrem Engagement in Zukunft weiterführen?
Roswitha Fitzka:
Für mich bleiben die konkreten Projekte wichtig. Hilfe zu organisieren bedeutet viel Arbeit – Kommunikation, Vertrauen, Koordination. Aber genau diese Verlässlichkeit ist entscheidend.
Maresi McNab:
Und die Mahnwachen bleiben wichtig. Gerade ihre Regelmäßigkeit macht etwas mit den Menschen. Manchmal freut man sich schon über kleine Dinge – ein Nicken, ein kurzes Gespräch oder jemanden, der stehen bleibt und zuhört.
Robert Kana:
Ich wünsche mir, dass wir in Österreich sensibler dafür werden, wie Desinformation funktioniert. Demokratie braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen.
Werner Steinacher:
Wir machen weiter, weil wir Beziehungen aufgebaut haben. Wenn man Menschen kennt, wenn man vor Ort war, wird der Krieg nicht mehr zu etwas Abstraktem.
OU: Zum Abschluss: Was hat dieses Engagement persönlich in Ihnen verändert?
Roswitha Fitzka:
Ich hätte mir im Februar 2022 niemals vorstellen können, dass daraus Freundschaften, Hilfsprojekte, Mahnwachen und schließlich sogar ein Buch entstehen würden. Für mich zeigt das, dass Engagement neue Wirklichkeiten schaffen kann. Man macht einen ersten Schritt – und plötzlich öffnen sich Wege, die man vorher gar nicht gesehen hat.
Werner Steinacher:
Für mich waren die Begegnungen entscheidend. Wenn man Menschen in der Ukraine kennt, wenn man ihre Geschichten hört, verändert das den eigenen Blick.
Maresi McNab:
Ich glaube, ich bin ungeduldiger geworden gegenüber Ausreden. Dieses ständige Zögern oder die Vorstellung, man könne ohnehin nichts tun, akzeptiere ich heute weniger als früher. Gleichzeitig habe ich erlebt, wie viel aus kleinen Initiativen entstehen kann.
Robert Kana:
Mich hat vor allem die Erkenntnis geprägt, dass Demokratie Arbeit bedeutet. Man kann nicht immer darauf warten, dass Institutionen oder andere Menschen handeln. Wenn man eine Lücke sieht, muss man sich fragen, ob man selbst bereit ist, etwas beizutragen.
Öffentliche Mahnwache: Jeden Donnerstag von 16 bis 17 Uhr, Platz der Menschenrechte, 1070 Wien.
