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NOVEMBER

"Meine einzige Waffe ist die Kunst"

Interview mit der ukrainischen Künstlerin Nina Khyzhna, derzeit Artist-in-Residence in Graz

von Andreas Stangl

Foto: Thomas Raggam

Nina Khyzhna ist Theaterregisseurin, Choreografin und Performerin. Sie stammt aus der ostukrainischen Stadt Kharkiv und ist seit Oktober Stipendiatin des „Styrian Artists-in-Residence“-Programms des Landes Steiermark. Anfang November kehrte sie von einer Recherchereise für ihr Theaterprojekt mit dem Titel "Nobody died today" (etwa: Heute ist niemand gestorben) aus der Ukraine zurück. Die Theaterperformance soll vor Weihnachten drei Mal im Grazer Theater im Bahnhof (TiB) aufgeführt werden.

„Der erste Teil des Projekts sind Workshops für die ukrainische Gemeinschaft in Graz und für hiesige Leute, die Interesse an Theater, Körperarbeit und Integration haben“, skizziert Nina Khyzhna die Arbeit, die sie unter der Ägide des Grazer Performance-Kollektivs „Das Planetenparty Prinzip“ in Zusammenarbeit mit dem TiB entwickelt. „Dann werden wir Menschen über ihre Erlebnisse interviewen und danach, so arbeite ich für gewöhnlich, forme ich das in Theatermonologe. Es werden auch ein paar Performer:innen aus der Ukraine kommen und gemeinsam kreieren wir eine post-dokumentarische Performance, in der wir auch Körpersprache, Körpertext, Bewegung und Musik einsetzen werden.“ Insgesamt plant sie derzeit, vier Personen auf der Bühne auftreten zu lassen. Eventuell wird noch jemand aus Österreich dazu kommen: „Wir entscheiden das in den kommenden Wochen“.

Offiziell hat Nina Khyzhnas Künstlerresidenz im Oktober begonnen. Nach Graz kam sie mit Hilfe von Freunden allerdings schon im März, ungeplant, nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Seither pendelt sie immer wieder zurück nach Lviv, wo sie zuletzt mit Theaterarbeit beschäftigt war, und in ihre Heimatstadt Kharkiv, wo sich ihr Lebenspartner, der ebenfalls Theatermacher ist, derzeit aufhält.

„Die Situation ist verrückt, vollkommen verrückt. Gerade war ich noch in der Ukraine und habe Geschichten gesammelt von einigen meiner Freunde, die als militärische Freiwillige arbeiten, und jetzt bin ich hier, wo alles so anders ist. Es sind zwei verschiedene Welten, und das fühlt man auf verschiedenen Ebenen. Man braucht nur aus dem Bahnhof zu kommen und schon spürt man, dass die Leute eine andere Körperpräsenz haben - weicher, ruhiger. Weil ich mit Körpern arbeite, fallen mir solche Dinge auf. Auch wie sich die Leute bewegen, wie sie in Lokalen sitzen. In Lviv sitzen die Leute zwar auch in Lokalen, aber sie haben eine andere Rhythmik, sie sind wie elektrische Menschen. Auch ich selbst bewege mich hier in Graz in einem anderen Rhythmus.“

„Dieses Niveau an Ungerechtigkeit zu akzeptieren, wie diese Welt so ambivalent sein kann, das ist für mich immer noch seltsam. Langsam gewöhne ich mich an diese Dinge, aber es ist immer noch seltsam. Als ich im März nach Graz kam, bekam ich eine kognitive Dissonanz. Ich ging mehrere Wochen nicht aus dem Haus. Wenn ich hinausging und Menschen auf der Straße weißen Spritzer trinken und Zeitung lesen sah, und in diesen Zeitungen sah ich unsere zerbombten Städte. Das war vollkommen surreal.“

Foto: Thomas Raggam

In so einem Fall habe sie einerseits das Gefühl, einfach weitergehen zu wollen. „Andrerseits habe ich das Gefühl, es ist meine Verantwortung die Menschen daran zu erinnern, dass der Krieg nicht vorbei ist. Es ist das einzige, was ich gut kann. Ich bin nicht in den Krieg gegangen, ich war nicht stark genug um zu bleiben und als Freiwillige zu arbeiten. Meine einzige Waffe ist die Kunst. Sie hilft mir auch, mit der Situation fertig zu werden. Wenn ich arbeite, fühle ich, dass ich lebe, dass ich immer noch ich selbst sein kann. Als der Krieg ausbrach, hatte ich das Gefühl, mich selbst zu verlieren, weil ich dachte, mit Theater kann man keinen Krieg beenden.“

„In den ersten Wochen des Krieges waren wir ratlos. Was sollen wir mit unseren Performances, mit unseren Installationen, unseren Bildern machen? Wir können sie ja nicht einfach gegen russische Panzer werfen. Wenn man dann wieder anfängt, Kunst zu machen, dann verleiht es einem das Gefühl, dass sie unsere Kultur nicht zerstören können. Ein großer Teil der russischen Ressourcen geht ja in diese psychologische und kulturelle Kriegsführung, in der sie uns eine eigene Kultur und Identität absprechen und behaupten, wir seien einfach nur Kleinrussland. Seit hunderten von Jahren versuchen sie, die Seiten aus unserer Geschichtsbüchern zu reißen oder die Wahrheit zu verdrehen. In dem Augenblick aber, wo wir unsere Geschichte schreiben, schreiben wir sie fest. Wir dokumentieren die Wirklichkeit und fügen unsere Sichtweise dazu.“

Der Gedanke an eine mögliche Versöhnung mit Russland, wenn der Krieg einst vorbei sein wird, fällt Nina Khyzhna schwer. Darüber könne man erst reden, wenn die verfassungsmäßigen Grenzen der Ukraine wiederhergestellt seien. „Dafür wenden wir all unsere Kräfte auf, da müssen wir durch. Danach kann man reden. Zuerst werden wir über Reparationen reden müssen. Alles andere kommt später.“

Sie selbst bleibt jetzt einmal in Graz. Am 21. November wirkt sie in Graz an einer performativen Lesung des Dokumentarstücks „Unbeugsames Cherson“ im Theater am Lend mit, im Dezember folgt die Aufführung der Theaterperformance im Rahmen ihrer Künstlerresidenz. Diese wurde mittlerweile um zwei Monate verlängert. Auch für diese Zeit, Februar-März, hat sie schon Pläne: ein Projekt mit dem sie zu ihren ursprünglichen Ideen für ihren Graz-Aufenthalt zurückkehren will, bevor der Krieg ausbrach und das jetzige Thema bestimmte. Es soll sich mit Flüchtlingen und Immigranten aus den verschiedensten Ländern befassen, „ein Dialog über Gemeinsamkeiten und Unterschiede“. Aber, wer weiß, seufzt sie: „Für mich verändert sich alles so rasch. Ich hatte für dieses Jahr schon ganz genaue Vorstellungen, alles war perfekt geplant und jetzt liegt alles in Trümmern. Jetzt verstehe ich: Alles kann sich ändern. Ich versuche mein Leben flexibel zu halten.“

Public Program im Belvedere 21: Öffentliches Gespräch mit dem Team von Office Ukraine

Foto: eSeLSCHWARM Yak (Anastasiia Yakovenko)

Im Rahmen des Public Program “Geschichten wiedererzählen: Kriege im ehemaligen Jugoslawien und Krieg in der Ukraine” war das Office Ukraine-Team am 15. Oktober zu einem Public Talk im Blickle Kino des Belvedere 21 eingeladen.

Die Teammitglieder Larissa Agel, Natalia Gurova, Susanne Jäger und Ania Zorh von Office Ukraine Wien erörterten im Gespräch mit Claudia Slanar / Belvedere 21 Entstehung, Struktur und Arbeit der Initiative und sprachen über Herangehensweise, Erfolge sowie die speziellen Herausforderungen des Projekts.

Im Anschluss diskutierten die Autorin und Übersetzerin Ksenyia Kharchenko und die Publizistin und Literaturkuratorin Oksana Shchur (beide aus Kyiv) ihre Erfahrungen über Flucht und das Leben im Exil.

Das von Nikita Kadan kuratierte und in Anwesenheit des Künstlers präsentierte Filmprogramm ukrainischer Künstler:innen und Filmemacher:innen – unter anderem mit Beiträgen von Antigonna, Yarema Malashchuk & Roman Himey und Yuri Leiderman – gestaltete sich zu einer eindringlichen, mitunter bedrückenden Tour de Force über das Leben in der Ukraine vor und während des Krieges, das bei den Zuseher:innen einen intensiven Eindruck hinterließ.

Musik für eine ukrainische Zukunft

von Irene Suchy

Ausgehend von der Idee, ein musikalisches und poetisches Schlaglicht auf die bedrängte Ukraine zu werfen, entstand in Kooperation von Office Ukraine / Simon Mraz und Oe1 / Irene Suchy die Konzertreihe “Musik für eine ukrainische Zukunft” im Radiokulturhaus in Wien. Das Programm wurde als musikalische Verbindung von nach Österreich geflüchteten ukrainischen Musiker:innen und Verfolgten in Belarus, Moldawien und den baltischen Ländern entwickelt.

Im ersten Konzert „In den Kriegen – Musik für eine ukrainische Zukunft“ am 18. Oktober im Großen Sendesaal gab ein exzellentes Ensemble aus ukrainischen Musiker:innen mit dem Geiger und Sänger Viktor Andriichenko, der Pianistin Aliya Akbergenova und dem Cellisten Michael Duknych in brillanter Interpretation das Klaviertrio von Wassyl Barwinskyj, Elegie op 41.Nr 3 von Mykola Lysenko, Burlesque von Myroslaw Skoryk und Walzer op.3 Nr.1 von Valentin Silvestrov.

Neben Auszügen aus dem aktuellen Roman “In den Kriegen”von Evelyn Schlag, vorgetragen von der Autorin, las Susanne Scholl einen berührenden Gefängnisbrief von Maria Kolesnikova, einer der Anführerinnen der niedergeschlagenen Protestbewegung in Belarus: „Die Musik ist ganz in mir, sie agiert und beeinflusst mich in den verschiedenen Lebensabschnitten auf unterschiedliche Art. Und sie ist eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration, der Gedanken, der Kreativität – kurzum: Sie ist ein Lebensquell!”

Im zweiten Konzert „Da Pacem – Musik für eine ukrainische Zukunft“ am 24. Oktober im Studio 3 findet sich der Beginn der Begegnung mit der Ukraine und deren Musik: Anlässlich der Invasion Russlands hat das BMKÖS ein Sonderbudget für Aufträge an Kunstschaffende aus der Ukraine eröffnet. Das Ensemble REIHE Zykan + www.reihezykanplus.org unter der künstlerischen Leitung von Michael Mautner hat aus diesem Budget der ukrainischen Komponistin Karmella Tsepkolenko einen Auftrag für ein Vokal-Ensemblestück erteilt. Sie wählte Texte des ukrainischen Autors Serhij Zadan, dem diesjährigen Preisträger des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Foto: Karin Gruber

Foto: Karin Gruber

Karmella Tsepkolenko hat ihr im Rahmen des Konzerts uraufgeführtes Werk "Woher, schwarzer Tross..." während des Bombardements von Odessa komponiert. Die hohen technischen Anforderungen an das Vokalquartett, das vor allem für die teils sehr hohe Sopranstimme an die Grenzen des Machbaren stieß, folgen einer inneren Logik und werden kongenial durch den Text unterstützt.

Es folgte eine Lesung durch die Schauspielerin Maria Hofstätter mit Gedichten von Rose Ausländer und dem neuen Band „Sehnsucht und Heimat“ von Lesja Ukraijnka in der Übersetzung von Alois Woldan, einem Gedicht von Irina Schuwalowa – angeregt von der Kiewer Pianistin und Professorin Anna Seredenko – sowie weiteren Texten von Serhij Zhadan aus seinem Buch „Warum ich nicht im Netz bin“.

"Flügeln Wund" für Vokalquartett

Die zweite Uraufführung des Abends war Patricia Kopatchinskajsas Werk "Flügeln Wund" nach einem eigenen Text, und – so Dirigent Michael Mautner – ein spannendes Klangtheater, bei dem durch die zarte Interaktion von Geige und Vokalensemble ein Traumzustand evoziert und durch zusätzliche Geräuscheffekte der Stimmen eine irreale Klangkulisse erzeugt wird.

Neben Arvo Pärts titelgebendem Werk “Da pacem” überzeugte Viktor Andriichenko in Pärts „Es sang vor langen Jahren“ für Alt, Viola und Violine in der Doppelrolle des Sängers und Instrumentalisten.

Die beiden Konzerte werden am 9. Dezember um 19.30 Uhr auf Oe1 zu hören sein.

Die Konzerte wurden in Kooperation mit Oe1 ermöglicht und im Rahmen des Programms „Office Ukraine. Shelter for Ukrainian Artists“ organisiert. Das Projekt wurde finanziert aus den Mitteln vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, mit weiterer Unterstützung vom Verlag Hollitzer, dem Zukunftsfonds der Republik Österreich und dem oead – Kooperationsbüro Lemberg sowie dem Verein maezenatentum.at – Forschungstransfer in Wissenschaft und Kunst.

Kunst und Menschenrechte

Foto: Hannah Pichler / Österreichische Liga für Menschenrechte

Im Anschluss an die Generalversammlung der Österreichischen Liga für Menschenrechte am 11. November wurde eine nur an diesem Abend zu sehende Ausstellung zum Thema Kunst und Menschenrechte in der Brunnenpassage präsentiert.

In der Show mit Arbeiten von neun Künstler:innen und einer Tanz- und Musikperformance wurde der Art Space am Brunnenmarkt zum Ausstellungsort von Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Skulptur und Fotografie mit feministischem bzw. antirassistischem Bezug. Vier teilnehmende Künstler:innen aus der Ukraine – Elena Rabkina, Yana Hryniv, Olha Pylnyk und Gorsad Kyiv – waren auf Vorschlag von Office Ukraine eingeladen worden.

Foto: Hannah Pichler / Österreichische Liga für Menschenrechte

Office Ukraine-Taschen

Um dringend benötigte Spenden für Office Ukraine zu sammeln, die ukrainischen Künstler.innen und Kulturschaffenden in Notfällen unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden können, produziert Office Ukraine Baumwolltaschen.

Die Stofftaschen mit insgesamt sechs von ukrainischen Künstler:innen entworfenen Sujets — jeweils zwei aus den Offices in Wien, Graz und Innsbruck — werden ab Mitte Dezember in den Offices erhältlich sein.

Office Ukraine Innsbruck goes …

Auch aus dem Westen gibt es Einiges zu berichten: Nach einer Screening- und Vernetzungsveranstaltung Ende September dehnte Office Ukraine Innsbruck im Oktober seinen Tätigkeitsradius mit einem Besuch in Salzburg auf der Suche nach neuen Kooperationsmöglichkeiten und Projektideen weiter aus. Darüber hinaus nützte das Büro auch Radiowellen, um ukrainische Musik und Kunstdiskurse bekannt zu machen. Ebenfalls im Oktober fand das Residency-Programm 2022 der Landeshauptstadt Bregenz, in dessen Rahmen auf Vermittlung von Office Ukraine eine ukrainische Künstlerin nach Vorarlberg eingeladen wurde, mit einer Ausstellung seinen Abschluss. Für November dürfen wir bereits einen kleinen Ausblick auf eine Ausstellungseröffnung in der Neuen Galerie Innsbruck geben.

… into the core of artistic production in times of war.

Im Rahmen der Veranstaltung On the Continuity of War wurden am 27. September im Künstlerhaus Büchsenhausen Filme der ukrainischen Künstler Yarema Malashchuk und Roman Himey, Daniil Revkovskiy and Andriy Rachynskiy sowie von Mykola Ridnyi gezeigt. Das Videoprogramm kuratiert vom ehemaligen Büchsenhausen-Fellow Mykola Ridnyi, zeigte unterschiedliche Perspektiven auf den Krieg, das Wesen des Bewegtbildes und die Idee einer neuen Kunstproduktion im gegenwärtigen Kontext. Im Anschluss an das Screening fand ein Künstlergespräch statt. Die Veranstaltung informierte einerseits die unterstützende Öffentlichkeit vor Ort über den Stand der Dinge in der Ukraine, andererseits ermöglichte sie die Unterstützung männlicher Künstler, die momentan das Land nur in Ausnahmefällen verlassen können.

Artist Talk mit Mykola Ridnyi. © Maryna Shtanko

… Salzburg!

Am 18. Oktober reisten zwei Mitglieder des Office Ukraine Innsbruck nach Salzburg, um über die Aktivitäten und Projekte der Plattform zu berichten und die verschiedenen Möglichkeiten zur Unterstützung ukrainischer Künstler:innen vorzustellen. Wie entstand die Initiative? Was sind die Schwerpunkte unserer Arbeit als Vermittlungs- und Unterstützungsplattform? Was sind die Schritte von der Idee bis zur Umsetzung und wie kann Office Ukraine diesen Prozess begleiten? Diese und weitere Fragen wurden im Laufe des Nachmittags angesprochen. Wir möchten uns beim Dachverband Kultur Salzburg für die Organisation der Veranstaltung, bei periscope für das Hosten und bei allen Teilnehmenden herzlich bedanken! Wir freuen uns darauf, bei der Ausarbeitung und Umsetzung der zahlreichen Projektideen behilflich zu sein.

Team Office Ukraine Innsbruck im periscope, Salzburg. © Susanne Lipinski

… on air!

Bereits zum zweiten Mal gab Büchs'n'Radio, eine Sendung von Andrei Siclodi auf Radio Freirad, ukrainischen Kunst- und Kulturakteur innen eine Stimme und Raum im Äther.

Nach der September-Sendung mit einem Musikprogramm, das vom ehemaligen Büchsenhausen-Fellow Mykola Ridnyi zusammengestellt wurde und den Hörer*innen ukrainische Underground- und Mainstream-Dance-Musik von den frühen Neunzigern bis heute näher brachte, widmete sich die Büchs'n'Radio-Sendung im Oktober den Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks während des Krieges sowie den Herausforderungen, denen sich die Kunstwelt im Jahr 2022 stellen musste. Auf Initiative unserer Kollegin Iryna Kurhanska war ein Ausschnitt aus der aufgezeichneten Diskussion des interdisziplinären Programms Decolonising Art. Beyond the Obvious des ukrainischen Pavillons im Rahmen der 59. Biennale von Venedig zu hören.

… Bregenz!

Wir freuen uns außerdem zu berichten, dass die Ausstellung The Shape of Light mit Werken der ukrainischen Künstlerin Olena Dombrovska am 18. Oktober im Magazin 4 in Bregenz eröffnet wurde. Olena Dombrovska wurde für das Artist in Residence Fellowship 2022 der Landeshauptstadt Bregenz ausgewählt. Dieses Jahr vergab die Stadt das dreimonatige Stipendium in Zusammenarbeit mit Office Ukraine. Von Mitte Juli bis Ende Oktober 2022 lebte und arbeitete die in Odesa geborene ukrainische Künstlerin in Bregenz. Olena Dombrovska beschäftigt sich mit den vielfältigen Formatierungen, die sich aus der speziellen Kombination von Oberfläche und Licht ergeben. „Die Form des Lichts“ ist Thema einer Reihe von Arbeiten der Künstlerin, die mit minimalen künstlerischen Mitteln – Linien und geometrischen Konturen – große Formen und optische Effekte zum Ausdruck bringen.

Olena Dombrovska vor ihrem Atelier in Bregenz. © Stadt Bregenz

… Neue Galerie Innsbruck!

Am 18. November eröffnet auf Initiative von Office Ukraine eine Ausstellung mit Werken ukrainischer Künstler:innen in der Neuen Galerie Innsbruck. Die Artists Support Ukraine Foundation hat eine Ready-To-Print-Ausstellung mit Werken zeitgenössischer ukrainischer Künstler: innen, die über den Krieg erzählen, vorbereitet und lenkt somit an verschiedenen Standorten weltweit Aufmerksamkeit auf die Arbeit ukrainischer Künstler: innen über das Leben in den Kriegsgebieten. Zu den beteiligten Künstler:innen zählen Daniil Galkin, Igor Gusev, Alevtina Kakhidze, Kinder Album, Olexandra Kovaleva, Maria Kulikovska, Oksana Levchenya, Anton Logov, Anna Naduda, Vlada Ralko, Oleksiy Sai, Valerii Veduta und Oleksii Zolotariov. Die Ausstellung wird auch von diskursiven Veranstaltungen mit derzeit in Österreich/Tirol lebenden ukrainischen Künstler:innen begleitet werden. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

OCTOBER

WIR STELLEN VOR: Office Ukraine Wien

Foto (von links nach rechts): Sasha Horbatiuk, Ania Zorh, Larissa Agel, Natalia Gurova, Michaela Geboltsberger, Susanne Jäger. (Foto von Mariia Yeroshkina)

Seit dem Projektstart im März 2022 haben sich über 250 ukrainische Künstler:innen und Kulturschaffende (mit Familienmitgliedern insgesamt ca. 700 Personen) mit verschiedensten Anliegen an Office Ukraine Wien gewendet.

Im Fokus von Office Ukraine Wien steht die Vernetzung der geflüchteten ukrainischen Kulturschaffenden und Künstler:innen mit den vielfältigen Angeboten und Einladungen von solidarischen heimischen Kunstinstitutionen, Initiativen und der Zivilgesellschaft. So konnten schon vielen Künstler:innen Residencies und Ausstellungsbeteiligungen angeboten, Auftrittsmöglichkeiten und Locations für Musiker:innen sowie Schreibaufträge für Autor:innen in diversen Publikationen vermittelt werden. Das Angebot umfasste bisher aber auch Tätigkeiten bei (Musik) Festivals, Kulturveranstaltungen, sowie DJ- und VJ- Gigs.

Darüber hinaus wurden von der heimischen Kunstszene angebotene Mentoring-, Psychotherapie-, Übersetzungsdienste sowie Ateliers, Arbeitsplätze und (Probe)Räume für temporäre Nutzung vermittelt. In manchen Fällen geht die Arbeit von Office Ukraine über die reine Vernetzungsarbeit hinaus, wie etwa Support bei der Rechtsberatung oder individuelle Hilfeleistung für unbegleitete Minderjährige.

Office Ukraine Wien wendet sich auch aktiv an Kunstinstitutionen und Initiativen und lanciert Vorschläge für Projekte und Veranstaltungen. So etwa im Bereich der klassischen Musik:

In Kooperation mit Ö1 (Dramaturgie und Moderation: Irene Suchy) finden zwei Konzertabende ukrainischer Musiker:innen sowie Lesungen statt: “In den Kriegen – Musik für eine ukrainische Zukunft” (18. Oktober um 19.30 im Großen Sendesaal) sowie “Da Pacem – Musik für eine ukrainische Zukunft” (24. Oktober  um  19.30 im  Studio 3). Tickets und Details finden Sie unter: www.radiokulturhaus.orf.at

Zudem ist für den 12. Januar 2023 der musikalische Abend “Muttersprache Musik” unter Beteiligung ukrainischer Musiker:innen und Sänger:innen an der Volksoper Wien geplant.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Arbeit von Office Ukraine war die Hilfestellung bei der Einreichung für die vom BMKÖS für 2022 im Rahmen eines Sonderbudgets für ukrainische Kunstschaffende zur Verfügung gestellten Arbeitsstipendien und Projektförderungen im Gesamtwert von 500.000 Euro, die Bereitstellung von Informationen über weitere Stipendien- und Studienmöglichkeiten sowie die Vernetzung mit anderen vergleichbaren europäischen Hilfsprogrammen.

Zu einem beliebten und effizienten Format entwickelten sich die regelmäßig stattfindenden “Get Togethers”, die sich zu einem fixen Treffpunkt für ukrainische Kulturschaffende und die Wiener Kunstcommunity entwickelten.

Bis Anfang des Sommers fanden die Treffen im von Hedwig Saxenhuber / springerin initiierten “Freiraum Ukraine” im Museumsquartier Wien statt und seither im sogenannten “Raum D”, ebenfalls im Museumsquartier. Die Aktivitäten reichten von Vorträgen ukrainischer Künstler:innen wie Pavlo Makov über Filmscreenings, z. B. von Alina Maksimenko, Diskussionsveranstaltungen sowie der Ausstellung “Scents of the Earth”, einer Präsentation der Arbeiten von Ada Rybachuk and Volodymyr Melnychenko (ARVM). Der Freiraum Ukraine stand ukrainischen Kulturschaffenden zudem unbürokratisch für Workshops sowie als Probe- und Arbeitsraum und informeller Treffpunkt zur Verfügung.

Eine Eigeninitiative von Office Ukraine ist auch die in unregelmäßigen Abständen stattfindende Verteilung von Künstlerbedarf an ukrainische Künstler:innen. Bisher erhielten über 100 Künstler:innen von ihnen dringend benötigtes Arbeitsmaterial, großteils gespendet von Einzelpersonen und Kunstinstitutionen. Außerdem war auch ein dreitägiger, Anfang Juni unter Beteiligung von 35 Künstler:innen stattfindender Kunst- und Kunsthandwerksmarkt im MuseumsQuartier Wien, initiiert von Hedwig Saxenhuber / Freiraum Ukraine, äußerst erfolgreich. Ein weiterer ist geplant.

Darüber hinaus werden mittels Aussendungen und Social Media-Beiträgen die vielfältigen, für die ukrainische Kunstszene relevanten kulturellen Aktivitäten anderer Veranstalter:innen beworben sowie Informationen zu rechtlichen Fragen und der Grundversorgung verschickt.

Das Team von Office Ukraine Wien besteht aus: Georg Schöllhammer (Initiator), Larissa Agel, Michaela Geboltsberger, Natalia Gurova, Oleksandra Horbatiuk, Susanne Jäger, Simon Mraz, Ania Zorh.

“Get Together” / Foto von ESEL

Ein leider derzeit besonders aktuelles Thema ist auch die Suche nach Wohnraum und Ateliers, die Situation ist äußerst angespannt.

Damit die Aufmerksamkeit für die Situation der ukrainischen Kulturschaffenden nicht abreißt, nützt Office Ukraine Wien auch die Gelegenheit, im Rahmen von Einladungen anderer Kunstinstitutionen über seine Arbeit zu sprechen: z. B. am 15. Oktober im Belvedere 21.

Office Ukraine Wien hat bisher mit folgenden Institutionen und Initiativen zusammengearbeitet

tranzit.at, ERSTE Stiftung, Museumsquartier Wien, Freiraum Ukraine, Künstlerhaus Wien, Belvedere 21, Vienna Design Week, Kunsthalle Wien, Kunsthalle Exnergasse, Secession, springerin, Vereinigte Bühnen Wien, IG Bildende Kunst, IG Architektur, Echolot Kulturverein, Akademie der bildenden Künste Wien, Universität für angewandte Kunst Wien, mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Volksoper Wien, PfarrCaritas, Notgalerie, Artist at Risk, Produzentengalerie, Art Phalanx, Österreichische Filmakademie, Ö1, ditiramb, , Size Matters – Raum für Film und Kunst, FLUC, PCs für Alle, PEN Austria / MICA – Music Austria, das weisse haus, Verein s’Hufnagl – Begegnung und Alltagskultur im Grätzl, Theaterflucht Österreich, Depot. Kunst und Diskussion, gift - Zeitschrift für freies Theater, ÖIF – Österreichischer Integrationsfonds, Symposium Kunst in der Natur (Gars), Kunstverein Eisenstadt, Johannes Kepler Universität Linz, Zirkus des Wissens / Airan Berg (Linz), Salzamt (Linz), KUPFzeitung (OÖ), Ars Electronia (Linz), u.a.

Wohnraum dringend gesucht

Die Suche nach Wohnraum für geflüchtete Ukrainer:innen gestaltet sich immer schwieriger.

“Good afternoon, we (my son 7 year old and my mother) are located near Klagenfurt. For two months I have been looking for housing all day long. I was in some relief organizations and it doesn’t work. In September the child needs to go to school.“

(Name ist Office Ukraine bekannt)

Seit Mitte August erreichen uns immer häufiger verzweifelte Nachrichten von geflüchteten Ukrainer:innen, die bereits eine lange erfolglose Wohnungssuche hinter sich haben und die dringend – und nun sehr kurzfristig – eine neue Bleibe benötigen.

Wir appellieren daher an alle Privatpersonen, Institutionen und Initiativen, die österreichweit Wohnmöglichkeiten zur Verfügung stellen können. Gebraucht werden WG-Zimmer und Appartements, derzeit nicht benötigte Zweitwohnungen / -häuser und Artists Residencies. Wie die Erfahrung gezeigt hat, sollte die Nutzungsdauer mindestens drei Monate betragen, im besten Fall längerfristig.

Ideal sind Gratisangebote, da sich viele mit uns in Kontakt stehende Geflüchtete in einer prekären finanziellen Lage befinden. Aufgrund des Mietzuschusses für ukrainische Geflüchtete, die sich in der Grundversorgung befinden, ist eine finanzielle Beteiligung für Wohnraum in den meisten Fällen möglich. Für Einzelpersonen sind derzeit maximal 160 Euro pro Monat, für Familien maximal 330 Euro pro Monat (genaue Höhe in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich) als Mietzuschuss vorgesehen.

Ebenfalls benötigt werden auch Wohnungen mit regulärer Miete für ukrainische Kulturschaffende, die über finanzielle Reserven verfügen.

Falls Sie Wohnmöglichkeiten für Office Ukraine anbieten möchten, bitten wir Sie, Ihr Angebot in das Webformular der Office Ukraine-Webpage einzutragen oder uns per Email zu schreiben.

Sommerveranstaltungen von Office Ukraine Wien

Tuesday@Secession Veranstaltungsreihe: Gemeinsamer Abend von Office Ukraine mit den ukrainischen Künstlerinnen Olia Fedorova und Svitlana Zhytnia am 19. Juli im Garten der Secession

Zur dritten Veranstaltung der Sommerreihe Tuesday@Secession am 19. Juli war Office Ukraine von der Secession eingeladen, den Abend im Garten der Secession zu gestalten.

Zum Auftakt des Abends gaben Teammitglieder von Office Ukraine Wien im Rahmen eines Talks einen Einblick in Entstehung, Struktur und Arbeitsweise des Hilfsprojekts.

Den Hauptteil der Veranstaltung gestalteten die beiden ukrainischen Künstlerinnen Olia Fedorova und Svitlana Zhytnia (beide aus Charkiv, derzeit in Graz) mit Einzelwerken, die aber miteinander verflochten präsentiert wurden: Olia Fedorova mit ihrer eindringlichen, erstmals öffentlich präsentieren Arbeit "Ukrainian Prayer", einem performativen Poetry-Reading mit der Intention, dass die Menschen „auch hören, fühlen, was wir fühlen, verstehen, was wir verstehen – was der Krieg eigentlich ist.” Svitlana Zhytnia, Künstlerin mit Schwerpunkt digitale Medien, arbeitet im Bereich der generativen Kunst, entwickelt Videoanimationen durch visuelle Codierung und experimentiert mit Filmmaterial in Echtzeit. Sie präsentierte die vielschichtige Video- und Soundinstallation "To the Living", in der der Kreislauf von Leben und Tod unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine im Mittelpunkt steht.

Bei hochsommerlichen Temperaturen erlebten die etwa hundert Besucher:innen im Garten der Secession einen entspannten Abend, der auch zum Informationsaustausch genutzt wurde.

Talk zur Arbeit von Office Ukraine: Svitlana Zhytnia (Künstlerin); Susanne Jäger (Office Ukraine), Christian Lübbert
(Secession), Natalia Gurova, Larissa Agel, Oleksandra Horbatiuk (alle Office Ukraine), Olia Fedorova (Künstlerin).

Olia Fedorova während der Performance

Svitlana Zhytnia (im Zentrum)

Copyright: Mariia Yeroshkina
IG: @masha_mellifluous

разом – razom – together in FLUC

Im Rahmen einer Kooperation von Office Ukraine mit dem Musik- und Kunstspace FLUC am Praterstern wurde das Projekt разом – razom – together im September 2022 unter Beteiligung ukrainischer Künstler:innen und Musiker:innen realisiert.

Von Anfang bis Mitte September präsentierten vier ukrainische Künstler:innen und Künstler:innenkollektive, die derzeit in Österreich, Deutschland und den Niederlanden leben und mit dem Office Ukraine in Kontakt stehen, Arbeiten auf Billboards im öffentlichen Raum außerhalb des FLUC. Die unterschiedlichen Ansätze, Arbeitsweisen, Techniken und thematischen Schwerpunkte von Alina Haieva & Karina Haieva, Alexandra Kadzevich, Maryna Shtanko und Socia Collective repräsentierten einen kleinen Ausschnitt der vielfältigen zeitgenössischen Kunstszene in der Ukraine.

Die Veranstaltung am 8. September im FLUC konzentrierte sich auf Musik- und Videoarbeiten. Den Beginn machte Igor Spassky, ein Mitglied des Socia Collective, mit einer Live-Musikperformance. Zum Pinguin-Tanz von Skrjabin kreierte er mit Sprühfarbe eine großformatige, abstrakte Arbeit, entstanden im Rhythmus der Musik.

Den Auftakt in der FLUC-Wanne im Anschluss bildete die Präsentation des Videos “Feast of Life” (2015) von Anatoly Belov in Zusammenarbeit mit Oksana Kazmina – ein eindrücklicher Einblick in die Clubszene von Kiew.

Sound Artist Heinali performte experimentelle elektronische Musik. Mit einer immersiven Klanglandschaft von Svitlana Zhytnia, Künstlerin und VJin in Zusammenarbeit mit DJ shelvy wurde der Dancefloor eröffnet.

Office Ukraine billboard

Socia Collective nach Performance

Heinali

Copyright: Mariia Yeroshkina
IG: @masha_mellifluous

SEPTEMBER

Neues aus Innsbruck

“Alles, was hier passiert, ist eine neue Erfahrung für mich.”
Ukrainische Künstler:innen in Feldkirch

Künstler:innen verschiedener Genres aus der Ukraine nahmen im Sommer 2022 in der VILLA MÜLLER in Feldkirch, Vorarlberg, an der für sie konzipierten pARTner Residency teil. Durch die Vermittlung von Office Ukraine wurde hier geflüchteten Künstler:innen mit dem Schwerpunkt zeitgenössische und konzeptuelle Kunst Raum zum Wohnen, Arbeiten sowie für die Präsentation ihrer neu entstandenen Werke zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus erhielten sie Anschluss an die lokale Kunst- und Kulturszene und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.

Insgesamt fanden drei Runden der einmonatigen Residency in der VILLA MÜLLER statt. Im April/Mai 2022 nahmen die Künstlerinnen Zoya Laktionova, Natalia Revoniuk, Zhenia Stepanenko, Vera Zemlyanikina und Hanna Trofimiva teil. Die Künstlerinnen präsentierten ihre Projekte zum Thema “Future Is Soon” im Rahmen einer Ausstellung, kuratiert von Garry Krayevets, am 19. Mai. Die zweite Runde im Juli – die Interviews mit den Teilnehmerinnen sind hier nachzulesen – wurde von Iryna Kurhanska kuratiert. Die Künstlerinnen arbeiteten einen Monat lang an ihren Kunstwerken zu dem übergreifenden Thema “Verbindungen” und präsentierten diese am 4. August in der VILLA MÜLLER. Es folgte die Augustausgabe mit den Künstler:innen Mark Chehodaiev, Alexandra Kadzevich, Miki-Mike 665, Maryna Shtanko und Marharyta Zhurunova, ebenfalls kuratiert von Iryna Kurhanska. Die Werke, die sich um die Erfahrungen und Erwartungen im Zusammenhang mit Krieg und Gender drehten, wurden am 1. September vorgestellt.

Wir freuen uns, Ihnen nun die Juli-Stipendiat:innen Olesia Papushnikova, Nataliia Khananova, Veronika Kutseva, Svitlana Honcharova (Molly Route), Viktoriia Dovhan (Viktoriia Dovhadze), Nadya Sobko und Nadiia Velychko (Vila) näher vorzustellen! Die Interviews wurden im Juli 2022 während ihres Aufenthalts in Feldkirch geführt.

1. Teilnehmerinnen der 2. Runde des pARTner Residency-Programms und ihre Organisator:innen.
Foto: Oleksandra Sauliak

2. Stipendiat:innen der 3. Runde der pARTner Residency bei ihrem Besuch in Innsbruck, um die lokale Kunstszene und Kultureinrichtungen kennen zu lernen.
Foto: Veronika Riedl

3. "Sie haben keine Namen, aber wir gehen oft zusammen" von Alexandra Kadzevich, Ausstellungsansicht, Villa Müller.
Foto: Sofiia Martseniuk

4. Plakat der Abschlussausstellung der pARTner Residency.
Foto: Sofiia Martseniuk

Olesia Papushnikova, Dnipro

Theater, Performance, Bühnenbild

Mein Traum war es, ein experimentelles, kritisches Theater in meiner Heimatstadt zu gründen. Aus diesem Grund plante ich, für eine Weile nach Kharkiv zu ziehen, da diese Stadt die stärkste Avantgarde-Theatertradition in der Ukraine hat, deren Wurzeln in den 1920er Jahren liegen. Aber seit Kriegsbeginn war ich es, die meinen Freund:innen aus Kharkiv und Umgebung Unterschlupf gewährte. Die Situation in Dnipro war vergleichsweise ruhig. Das dortige Opern- und Balletttheater, für das ich arbeite, hat seine Tätigkeit bereits im April wieder aufgenommen.

Die Residency ist für mich eine Gelegenheit, ein großes Projekt weiterzuentwickeln und an etwas Neuem zu arbeiten. Ich habe mich für mehr als 50 Residencies beworben und bin froh, dass ich dank Office Ukraine nun hier in Feldkirch sein kann. Ich bin beeindruckt von dieser kleinen und gemütlichen Stadt. Die Infrastruktur ist gut und die Kulturszene lebendig.

Alles, was hier passiert, ist eine neue Erfahrung für mich. Ich möchte an den Theaterprojekten hier teilnehmen, aber ich möchte auch nicht für immer als Geflüchtete außerhalb der Ukraine leben. So hoffe ich, in Zukunft an grenzüberschreitenden Projekten arbeiten zu können.

Nataliia Khananova, Kyiv

Künstlerische Keramik, Skulptur, Installation

@lia_khan_ceramics

Für mich ist die Keramik nicht nur ein sehr altes, sondern zugleich auch ein zeitgenössisches Medium. Deshalb interessiere ich mich vor allem für interaktive Keramik und modulares Design.

Ich verließ Kyiv, nachdem ein Flugzeug in der Nähe meines Hauses abgeschossen worden war. Ich verbrachte einige Monate in Lviv: Die dortige Akademie gab mir und meinen Kolleg:innen die Möglichkeit, in ihren Ateliers zu arbeiten, so dass wir kürzlich sogar eine Ausstellung machen konnten.

Die "pARTner Residency" ist meine erste Residency seit Kriegsbeginn. Was mich daran am meisten reizt, ist die Möglichkeit, Künstler:innen aus verschiedenen Bereichen zu treffen und mit ihnen zu arbeiten. Ich denke, dass an solchen disziplinären Schnittstellen viele interessante Ideen entstehen können.

Neben Feldkirch, das an sich sehr schön ist, habe ich auch Bregenz besucht – hier war ich vom Vorarlberg Museum beeindruckt. Im Moment kann ich meine persönliche Zukunft nicht klar sehen, wie wahrscheinlich die meisten Ukrainer:innen. Der Kulturbetrieb in der Ukraine ist unter den gegenwärtigen Kriegsbedingungen sehr zerbrechlich. Ich hoffe, dass ich Möglichkeiten für weitere Projekte in Österreich finden werde.

Veronika Kutseva, Kyiv

Flötistin, Dirigentin

Vor dem Krieg war ich Studentin an einem Konservatorium in Kyiv. Am ersten Tag des Krieges hatten mein Partner und ich das Coronavirus. Das wurde für uns zu einer zweifachen Herausforderung. Noch am selben Abend flohen wir mit einem Auto in die Westukraine, zwei Wochen später reiste ich aus nach Polen, während mein Partner in der Ukraine blieb.

Mir war klar, dass ich mein Studium trotz allem fortsetzen musste, und ich begann, Anfragen an Universitäten und Residencies in vielen Ländern zu schicken. Eines (glücklichen) Tages stieß ich auf die Website des Office Ukraine, die mich mit der Künstler:innen-Community in Feldkirch in Kontakt brachte. Ich bin nun schon seit 3 Monaten in dieser Stadt und habe mich bereits am Vorarlberger Landeskonservatorium eingeschrieben und widme meine gesamte Freizeit dem “Deutschlernen in Lichtgeschwindigkeit”. Außerdem hatte ich einige künstlerische Projekte, die mit Musik und Videokunst zu tun haben, in Planung. Ich freue mich, nun eines davon im Rahmen der "pARTner Residency" umzusetzen.

Mein größtes Glück ist natürlich die Aussicht auf eine hochwertige Ausbildung in Österreich. Da ich nun diese Möglichkeit habe, werde ich hier Zeit verbringen, um nach weiteren interessanten beruflichen Möglichkeiten zu suchen und mich weiterzuentwickeln.

Svitlana Honcharova (Molly Route), Kyiv

Grafik

Am Vorabend des Krieges arbeitete ich wie üblich in meinem Atelier. Als die ersten Angriffe erfolgten, blieb ich noch ein paar Tage in Kyiv, zog dann aber nach Lviv um.

Es war schwierig für mich, mich auf den kreativen Prozess zu konzentrieren, ich konnte nicht zeichnen. So verbrachte ich einige Wochen mit dem Weben von Tarnnetzen in einem der zahlreichen Freiwilligenzentren. Am 18. Tag der militärischen Invasion entstand mein erstes Werk aus dem Krieg. Da ich keine Möglichkeit hatte, in meinem Kyiver Atelier zu arbeiten, begann ich, nach Residencies im Ausland zu suchen. Im Zuge dessen fand ich Informationen über Office Ukraine, füllte das Formular aus und so kam es nun zur ersten Residency in meinem Leben!

Das ist eine völlig neue Erfahrung für mich: an einem Ort in einem fremden Land mit einer Gruppe von Künstler:innen zu leben und zu arbeiten. Wir sind alle so unterschiedlich, aber wir kommen zusammen wie ein Puzzle.

Ich habe 34 Jahre lang in einer flachen Gegend gelebt. Die österreichischen Berge erscheinen mir daher wie ein neues Universum. Ich hoffe, dass ich noch einmal die Gelegenheit haben werde, meinen Dialog mit Österreich fortzusetzen und andere Teile des Landes zu sehen. Ich werde auf jeden Fall in die Alpen zurückkehren.

Viktoriia Dovhan (Viktoriia Dovhadze), Lviv

Fotografie, Video, Mixed Media

@dovhadze

Kurz vor Kriegsbeginn gelang es mir, meine alte psychische Störung in den Griff zu bekommen, und ich begann langsam wieder zu arbeiten: Ich war kurz davor, eine Einzelausstellung zu machen. Doch am 24. Februar packte ich meine Katze und andere Dinge in meinen Rucksack und rannte in die Wohnung meines Freundes. Später gründeten wir eine gemeinnützige Freiwilligenorganisation namens KUKHNIA, in der Künstler:innen und Aktivist:innen Kriegsvertriebenen helfen.

Später merkte ich, dass ich dort an meine Grenzen kam, also suchte ich nach Möglichkeiten im Ausland, um meine kreative Tätigkeit fortzusetzen. Einer der interessantesten Aspekte dieser Residency in Feldkirch ist für mich die Zusammensetzung der Künstler:innen, denn jede:r von uns arbeitet in einem anderen Bereich. Dies bietet die Möglichkeit eines breiteren Dialogs und die Chance, andere Praktiken kennenzulernen und auszuprobieren.

Ich war schon zuvor in Österreich, aber noch nie außerhalb Wiens. Ich bin überrascht über die Dichte des kulturellen Angebots außerhalb der Hauptstadt. Ich dachte, ich komme in eine kleine Stadt, aber es stellte sich heraus, dass ich in Feldkirch mit all den interessanten Veranstaltungen, die hier stattfinden, kaum Schritt halten kann! Feldkirch ist für mich aber auch ein perfekter Ort, um mit meinen Gedanken allein zu sein. Hier kann ich eine gewisse Ruhe finden – dies ist bei uns in der Ukraine nicht mehr möglich.

Nadya Sobko, Lviv

Autor:innenkeramik, Environmental Art

Als professionelle Keramikerin wollte ich meinen Online-Shop mit Autor:innenkeramik eröffnen, aber jetzt habe ich meinen Job verloren und befinde mich in einer ziemlich schwierigen finanziellen und emotionalen Lage.

In den ersten zwei Monaten dachte ich gar nicht daran, an Residencies teilzunehmen, sondern half aktiv als Volontärin, weil ich glaubte, dass der Krieg bald vorbei wäre. Aber schon im Juni spürte ich, dass ich weitermachen musste. Der Wunsch, als Künstlerin zu arbeiten, erwachte schließlich wieder. Irgendwann erfuhr ich von Office Ukraine und hatte das Glück, ein Teil der "pARTner Residency" zu werden.

Ich schätze die Kulturszene in Österreich, es gibt so viele Veranstaltungen und man kann viele gut finanzierte Möglichkeiten für Künstler*innen finden. In Feldkirch ist zwar alles ein bisschen ruhiger, aber trotzdem finden hier richtig viele Kulturveranstaltungen statt! Ich habe den Wunsch, noch ein bisschen länger hier zu bleiben, aber ich vermisse Lviv auch sehr, deshalb werde ich nach der Residency auf jeden Fall wieder nach Hause zurückkehren. Auf jeden Fall ist Österreich unerwarteterweise zu einer der besten Auslandserfahrungen geworden, die ich bisher gemacht habe!

Nadiia Velychko (Vila), Kharkiv

Grafik, Buchgestaltung, Kuratieren

Ich arbeite seit mehr als 15 Jahren als Grafikdesignerin und interessiere mich unter anderem für experimentelle Veröffentlichungsverfahren und Kunstbücher. Außerdem habe ich an der Staatlichen Akademie für Design und Bildende Kunst in Kharkiv unterrichtet. Die Arbeit mit Studierenden ist meine wahre Leidenschaft, denn sie bringen eine unglaubliche Energie mit.

Eine Woche nach Kriegsbeginn wagte ich es, meine Stadt zu verlassen – selbst die Fahrt mit dem Evakuierungszug wurde von ständigem Beschuss begleitet. So landete ich in Lviv, aber schon bald erhielt ich eine Residency in Polen, dann eine weitere. Ich kann nicht nach Kharkiv zurückkehren, deshalb wandere ich von einem Wohnsitz zum anderen, und hier bin ich nun — in Österreich. Die Villa und die Residency selbst bieten komfortable Unterkünfte; ich genieße die hiesige Gesellschaft anderer ukrainischer Künstler:innen.

Ich spüre hier ein großes Potenzial für meine künstlerische Arbeit. Ich mag es, schöne Bücher zu machen, und ich sehe, dass dieser Bereich in Europa sehr gut entwickelt ist. Aber ich vermisse meine Heimat und hoffe, dass ich bald zurückkehren und wieder von dort aus Projekte realisieren kann.

Zahlreiche Vernetzungserfolge von Office Ukraine Graz

In den Sommermonaten von Juli und August gab es von Office Ukraine Graz insgesamt zehn Projekte mit ukrainischer Beteiligung, die in Kooperation mit Kunstinstitutionen und Initiativen aus der Steiermark und dem Burgenland umgesetzt wurden. Folgende vier Projekte sind Teil dieses Vernetzungserfolgs.

Ausstellung „War Views“ by Anzhelika Palyvoda und Vladyslav Riaboshtan

Graz Museum, 7. Juli – 28. August 2022

Anzhelika Palyvoda (Kyiv/Graz) und Vladyslav Riabosthan (Dnipro), zwei ukrainische Künstler:innen, die durch die Folgen des Krieges in der Ukraine ihren Heimatort verlassen mussten, dokumentieren künstlerisch ihre Erfahrungen und reflektieren ihre Realität – die eine in Graz, der andere in Luzk (Ukraine). Es ist ein Dialog zweier Künstler:innen, zwischen Zerstörung und der Hoffnung auf Frieden, zwischen nah und fern.

War Views, Graz Museum, Fotos: Sebastian Reiser

Installation „WITNESSES“ by Margo Sarkisova und Eduard Balula

WITNESSES, Landeszeughaus, Fotos: J.J. Kucek

In Kooperation mit Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark, Landeszeughaus, die Eröffnung fand am 21. Juli statt.

Beide Künstler:innen, deren Werke im Projekt Witnesses präsentiert werden, lebten und arbeiteten vor dem Krieg in Kharkiv. Jetzt sind beide nach Lviv bzw. Graz gezogen, um weiterzuarbeiten. Eduard Balulas Werk „Storch“ zeigt einen toten Vogel – ein Symbol der Ukraine. Dieser Storch steht für alle Ukrainer:innen, die vor dem Krieg geflohen sind oder gezwungen waren, sich in Kellern zu verstecken, die starben und in Angst leben und die Freiheit verteidigen, oft auf Kosten ihres eigenen Lebens. Die Platzierung der Arbeit ist nicht zufällig: die Fassade des Landeszeughauses. Der zweite Teil des Projekts, von Nastia Khlestova kuratiert, befindet sich im Museum selbst. Dort sind die Tagebücher von Margo Sarkisova ausgestellt – Zeichnungen in einem Notizbuch, an denen sie seit Beginn der Invasion, arbeitet.

Wandbild „Shameless land does not remain dead for too long“ by Kateryna Lysovenko

in Kooperation mit dem Kunsthaus Graz, Juli – September 2022

Shameless land, Fotos: Kunsthaus Graz

Als Fortsetzung ihrer Teilnahme am Prolog des steirischen herbst in der Neuen Galerie Graz malt Kateryna Lysovenko zwei Tage lang an einem Wandbild für das Erdgeschoss des Kunsthauses Graz, von Katrin Bucher-Tantrow kuratiert. Im Foyer lässt die ukrainische Malerin und Performerin im halböffentlichen Raum das Publikum an ihrer Arbeit teilnehmen.

„Schamlose Erde bleibt nicht allzu lange tot.“ Es ist ungeheuerlich, wie sich Bäume regenerieren und grün werden, nachdem sie mit Bombenteppichen bombardiert wurden. Verlorene Menschen leben in Städten, die tot genannt werden, sie suchen nach Wasser und Nahrung, sie sterben während der Suche.

In der Poesie, in religiösen Texten, verdunkelt sich der Himmel, wenn ein großes Unglück geschieht; die Sonne geht nicht auf, die Vögel verstummen. Aber jenseits der Texte gibt es kein Unglück, das die Sonne nicht mehr aufgehen lässt. Es gibt auch kein einziges Unglück, bei dem die überlebenden Menschen nicht dennoch zum Leben verdammt sind.

Selbst die schwierigsten Bedingungen in der Welt können nicht als unmöglich für das Leben bezeichnet werden. Da die Menschen die Lebensbedingungen für sich und ihre Umgebung ändern können, haben sie kein Recht, das Land oder die Städte als tot zu bezeichnen.

Und man kann die Verantwortung dafür, welche Bedingungen an bestimmten Orten geschaffen werden, auch nicht ablehnen. Schließlich kann man sehr, sehr unterschiedlich leben, bis hin zur fast völligen Ununterscheidbarkeit vom Tod. - Kateryna Lysovenko

Buchprojekt zugunsten ukrainischer Künstler:innen:

„FINALE | THE FINAL | ФІНАЛ“ by Martin Behr & Christian Wiedner

In Kooperation mit dem Verlag Bibliothek der Provinz, August 2022
Beratung: Anna Sorokovaya (Kyiv/ Graz)

2012 kamen Fußballfans aus ganz Europa zum UEFA-EURO-Finale nach Kyiv.
2022 kamen die Raketen aus Russland.

2012 war Kyiv von den Insignien einer globalen, durchkommerzialisierten Fußballkultur besetzt, der Grazer Fotograf Martin Behr dokumentierte drei Tage lang die kommerzielle Eventisierung eines Fußballfinales. Die Texte sowie eigene Erfahrungen haben den ukrainischen Künstler und Grafiker Oleg Gryshchenko zu sechs Illustrationen über das vergangene wie gegenwärtige Geschehen motiviert. Gryshchenko lässt in seinen Motiven die Zeitebenen und damit auch das Betriebssystem Fußball mit den Ahnungen und Erscheinungsformen des Krieges verschmelzen.

Der Gesamterlös der Publikation, die auch online erhältlich ist, kommt Office Ukraine zugute.

Creating History Together 2012/22

FINALE, Creating History Together 2012/22, Grafik: Oleg Gryshchenko

JULY

Dieser Garten heilt mich und meinen Geist

Kateryna Lysovenko in ihrem neuen Atelier.

Kateryna Lysovenko ist eine junge Künstlerin aus Kiew (Ukraine), die vor wenigen Monaten aufgrund des Krieges nach Graz kam. Über das Office Ukraine Graz wurde der Kontakt zum Universalmuseum Joanneum (UMJ) hergestellt und in weiterer Folge geeigneter Wohnraum gefunden. Mit ihren beiden Kindern und einer Katze lebt sie nun im Portierhaus des Schloss Eggenberg. In einem Gebäude im Schlosspark konnte sie sich ein Atelier einrichten, um ihrer künstlerischen Tätigkeit weiterhin nachgehen zu können.

Ein ruhiger Nachmittag im Schlosspark von Eggenberg. Kateryna zeigt die kleinen Malereien auf ihrem Schreibtisch, an denen sie gerade arbeitet. „Wenn ich kleine Bilder male, hat es einen größeren emotionalen Wert für mich. Gleichzeitig geben sie viel Raum für Fantasie. Große Dinge bekommen in dieser Welt aber mehr Aufmerksamkeit. Wenn ich solche Werke mache, möchte ich Menschen in diese Welt einladen“, erklärt Kateryna, während sie die großen Leinwände, die die Wände des Ateliers schmücken, präsentiert.

Ein langer Weg nach Graz

Seit fast vier Monaten lebt Kateryna nun hier in Graz. „Als der Krieg ausbrach, verstand ich, dass ich meine Kinder in Sicherheit bringen musste. Ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte. Zuerst sind wir in die Westukraine gegangen, aber die Situation dort war sehr schwierig für uns. Deshalb gingen wir nach Polen, wo ich dann den Kontakt zu polnischen Künstler:innen herstellen konnte.”

Kateryna erklärt, sie habe sich einen sicheren und ruhigen Ort gewünscht, an dem sie für einen längeren Zeitraum künstlerisch arbeiten kann. „Unsere Unterkunft in Graz ist sehr schön. Ich fühle mich hier sehr wohl und das Office Ukraine Graz hat mir auch wirklich bei der Integration geholfen, wofür ich sehr dankbar bin. Ich habe hier gute Beziehungen geknüpft und einige neue Freund:innen gefunden.“

Das Ateliergebäude liegt im Eggenberger Schlosspark.

Mutter-sein und Künstlerin-sein

Ihre Kinder sind fünf und zehn Jahre alt und können hier in Graz weiterhin den Kindergarten und die Schule besuchen. Vor allem die Suche nach einem Kindergarten gestaltete sich zunächst schwierig. Erst nach mehreren Wochen konnte ein Platz in einem lokalen Kindergarten organisiert werden.

„Die freie Zeit, die ich nun habe, nutze ich hauptsächlich in meinem Atelier, um an meiner Kunst zu arbeiten.“ Auf die Frage, ob sie auch mit ihren Kindern arbeiten könne, meint die junge Künstlerin: „Natürlich brauche ich Zeit für mich allein, um nachzudenken. Aber wenn ich dann eine Idee habe, kann ich auch neben den Kindern arbeiten, das habe ich früher auch schon gemacht.“

Ein neues Leben in Graz

Nun setzt Kateryna ihre künstlerischen Tätigkeiten in Graz fort. „Es ist ein sehr schöner Platz hier. Ich liebe den großen alten Garten sehr. Ich hatte immer schon den Traum, in einem solchen Garten zu leben und jetzt ist dieser Traum wahr geworden - natürlich unter sehr harten Bedingungen und mit einem sehr schwierigen Hintergrund. Dieser Garten heilt mich und meinen Geist wirklich. Manchmal ist es sehr schizophren für mich. Meine Verwandten und Freunde sind in einer sehr schwierigen Lage zu Hause, während ich diesen schönen Blick habe.”

Ein Weg im Schlosspark, den die Künstlerin besonders gerne hat.

Zwischen Krieg und Kunst

Die Themen, die Kateryna mit ihrer Malerei aufgreift, sind derzeit vor allem Entmenschlichung und Entobjektivierung. Sie verfolgt dabei ein politisches Interesse und beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Ideologie und Malerei, sowie mit der Präsenz von Opferdarstellungen in Politik und Kunst, von der Antike bis zur Gegenwart. Sie betrachtet die Malerei als eine Sprache, die instrumentalisiert oder befreit werden kann.

„Ich habe viele Emotionen mit der Situation hier in Verbindung mit der Ukraine, die ich in meine Kunst einbringen möchte. Es ist für mich sehr interessant zu sehen: Wenn ich in den öffentlichen Verkehrsmitteln sitze, fühle ich mich anders als die anderen. Aber im Museum fühle ich mich wie zu Hause, weil ich viele Inspirationen von anderen Bildern bekomme, vor allem von den Künstler:innen aus der Vergangenheit. Die österreichischen Künstler:innen des 19. und 20. Jahrhunderts sehen den Krieg und die Gewalt ganz nah. Ich sehe, dass sie ihre Realität so beschrieben haben, wie ich es jetzt tue. Der Verlust der Menschlichkeit und die Zerstörung des Körpers, der Stadt und allen Lebens. Ich empfinde jetzt ähnliche Gefühle wie diese Künstler:innen damals in Österreich.“

Licht am Ende des Tunnels?

Derzeit bereitet sich die Künstlerin auf den steirischen herbst 2022, sowie auf die Schaffung eines Wandbilds, das in Kooperation mit dem Kunsthaus Graz entstehen wird, vor. „Identitätsverlust, Entmenschlichung, die feministische Kritik am Krieg, sowie die Beziehung zwischen Körper und Gewalt im Bild werden Themen sein“, erklärt sie. Die Künstlerin arbeitet darüber hinaus auch an einem neuen Werk, das im Herbst in Rumänien gezeigt werden wird.

Auch die Arbeit an großen Leinwänden ist im Atelier möglich.

„Ich möchte erst wieder nach Hause zurückgehen, wenn die Ukraine diesen Krieg gewinnt und wir unser Territorium zurückbekommen wie vor dem 24. Februar. Ich denke dabei sehr an meine Kinder. Im Herbst fange ich in Basel ein Masterstudium an und dann denke ich vielleicht über eine Dissertation in Wien nach. Zwei Jahre lang werde ich sicher hier bleiben, weil ich mich weiterbilden will.“

Text: Nora Reichhalter
Fotos: Thomas Raggam

WIR STELLEN VOR: OFFICE UKRAINE INNSBRUCK

Foto (von links nach rechts): Andrei Siclodi, Veronika Riedl, Iryna Kurhanska

Seit Beginn der Initiative Office Ukraine gehört es zum Alltag im Künstlerhaus Büchsenhausen, Projektmöglichkeiten für ukrainische Künstler:innen mit Institutionen und Initiativen in Tirol, Vorarlberg und Salzburg auszuloten, Wohnmöglichkeiten zu finden und mit den vertriebenen Künstler:innen Gespräche über Alltagsfragen und dringend benötigte Dokumente zu führen. Abgesehen davon hat sich die Terrasse des Künstlerhauses als Arbeits- und Begegnungsort für Künstler:innen aus Ukraine etabliert.

Das Künstlerhaus Büchsenhausen in Innsbruck vereint normalerweise zwei Förderprogramme unter einem Dach: das international ausgerichtete Fellowship-Programm für Kunst und Theorie sowie ein Atelierprogramm für in Tirol ansässige Künstler:innen. Seit März 2022 ist es nun auch die Office Ukraine Zweigstelle im Westen Österreichs, mit Fokus auf die Bundesländer Tirol, Salzburg und Vorarlberg. Durch den Standort im Westen, wo wesentlich weniger Vertriebene aus Ukraine direkt ankommen als in Städten wie Wien und Graz, ist die Situation – und damit auch die Arbeitsschwerpunkte des Teams – ein wenig anders.

Vor allem in der Anfangsphase konzentrierten wir uns unter anderem auf die Verbreitung von Informationen in den lokalen Kunst- und Kulturszenen, um Unterstützungsangebote und Spenden zu generieren. Für die Angekommenen versuchen wir, durch finanzielle Unterstützung, Wohnraumvermittlung und Informationsweiterleitung die Hürden der Ankunftszeit etwas zu mindern und ihnen in weiterer Folge durch das Knüpfen von Kontakten zu lokalen Institutionen und Einzelpersonen sowie durch die Verteilung von Künstler:innenbedarf die Möglichkeit zu geben, weiterhin künstlerisch tätig zu sein. Eine wichtige Säule ist auch die Vermittlung, beziehungsweise die Unterstützung des Aufbaus von Residencies für vertriebene ukrainische Künstler:innen im Westen. Vernetzungsveranstaltungen, darunter auch ein Film-Screening mit Filmen von Zoya Laktionova und Mantas Kvedaravičius Anfang Mai, haben den Austausch zwischen Kunst- und Kulturakteur*innen aus Österreich und Ukraine vertieft.

Diese und weitere Aktivitäten werden vom Team des Office Ukraine Innsbruck – aktuell bestehend aus Iryna Kurhanska, Veronika Riedl und Andrei Siclodi, dem Leiter der Host-Institution Künstlerhaus Büchsenhausen – umgesetzt. Einen besonderen Platz in unserem Team nimmt Iryna, Kuratorin und Art Managerin aus Kyiv, ein. Iryna hat selbst über das Formular auf unserer Webseite Kontakt mit Office Ukraine gesucht und wir freuen uns sehr, dass wir – dank großartiger Unterstützer*innen – eine Unterkunft in Innsbruck für sie finden konnten und sie uns nun im Büro mit ihren Sprachkenntnissen und ihrem Wissen über die ukrainische Kunst- und Kulturszene zur Seite steht.

Für die nächsten Monate wollen wir unsere Vernetzungsarbeit weiter intensivieren – vor allem über die Grenzen Tirols hinaus in Vorarlberg, wo bereits erfolgreiche Kooperationen mit Villa Müller in Feldkirch und der Kulturabteilung der Stadt Bregenz bestehen, sowie in Salzburg, wo gegenwärtig vor allem Wohn- und Projektmöglichkeiten eruiert werden.

Erfolgreiche Verteilaktion von Künstlerbedarf an ukrainische Künstler:innen

Aufgrund der vielfachen Anfrage nach leistbarem Künstlerbedarf von seiten ukrainischer Künstler:innen konnte Office Ukraine Wien seit Anfang Mai bei seinen Unterstützer:innen durch gezielte Aufrufe eine Vielzahl an Materialien sammeln.

Unter anderem Acryl-, Öl, Gouache - und Aquarellfarben, Ölkreide, Sprühdosen, Leinwände und Zeichenblöcke, Pinsel, Lehm, Gips, Stoffe usw. Mehr als 50 Künstler:innen, die mit Office Ukraine in Kontakt stehen, konnten im Rahmen einer Verteilaktion am 1. und 2. Juni von ihnen für ihre Arbeit benötigte Materialien abholten.

Wir danken allen Unterstützer:innen sehr herzlich für den großzügigen Support!

Art and Craft Market: Wie es war

Office Ukraine versucht unterschiedliche (Kunst)initiativen und Künstler:innen zu unterstützen und ist der Ansicht, alle sollen gleich behandelt werden. Der von Hedwig Saxenhuber, der Initiatorin des Freiraum Ukraine in Zusammenarbeit mit dem MuseumsQuartier Wien und Office Ukraine organisierte Art und Craft Market fand vom 2. - 6. Juni im Außenraum des Museumsquartier Wien statt. Im Zentrum von Wien hatten mehr als dreißig nach Wien geflüchtete ukrainische Künstler:innen fünf Tage lang die Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren.

Für die meisten der Teilnehmer:innen gestaltete sich der Markt zu einem außergewöhnlichen Ereignis, das ihnen die Gelegenheit bot, mit heimischen Kunstinteressierten und Künstlerkolleg:innen in Kontakt zu kommen und sich auch gegenseitig auszutauschen.

Hier ein paar Eindrücke der teilnehmende Künstler:innen:

Elena Slavova aus Zhytomyr

Vielen Dank an die Organisatorinnen des Marktes! Mit dieser Veranstaltung ist ein großer Wunsch von mir wahr geworden: meine Arbeiten auf dem Gelände des MuseumsQuartier Wien präsentieren zu können. Ich habe mich sehr gefreut, Künstler:innen aus anderen Teilen der Ukraine kennenzulernen. Das Experiment war sehr hilfreich und ich hoffe auf ein weitere Auflage.

Yana Gryniv aus Kyiv

Vielen Dank für diese Initiative für ukrainische Künstler:innen! Es hat mich gefreut, an diesem für uns wichtigen Projekt teilnehmen zu dürfen. Fünf Tag lang hatten wir nicht nur die Möglichkeit, Kunst und Kunsthandwerk aus der Ukraine in seiner ganzen Bandbreite vorzustellen, sondern auch die ukrainische Kultur in Österreich präsentieren zu können.

Die wunderschöne Location im MuseumsQuartier Wien und die große Unterstützung durch Office Ukraine machte diese Veranstaltung zu einem wahren Highlight und war nicht nur eine Präsentation unserer Arbeiten, sondern brachte auch einen Gedankenaustausch von Personen, die sehr stark vom Krieg betroffen sind, und die temporäre Schaffung eines Art Hub mit sich.

Anastasia Strauss aus Kharkiv

Ganz herzlichen Dank für die Unterstützung ukrainischer Künstler:innen in einer solch schwierigen Situation! Mir persönlich hat der Kunstmarkt geholfen, mich aus einer langen Depression zu befreien. Danke für Eure Arbeit und Kindness!

Anastasia Tkachuk aus Kyiv

Ich hatte das Glück, am Markt teilnehmen zu können. Fünf Tage lang hatte ich die Gelegenheit, meine Arbeiten den Bewohner:innen und Gästen Wiens präsentieren zu können und so zu einem Teil der österreichisch-ukrainischen Kreativszene zu werden. Vielen Dank an die Organisator:innen und Besucher:innen für ihren umfassende Unterstützung in dieser schwierigen Zeit.

Inna Nikolaeva aus Dnipro

Ich habe nun wieder das Gefühl, dass das Leben weitergeht, dass anstelle der vielen dunklen Stunden der letzten Monate wieder etwas Licht in mein Leben kommt und dass durch die Teilnahme am Kunstmarkt trotz des Schmerzes und der Traurigkeit wieder etwas Balance einkehren kann. Und das ist es, was wir jetzt alles so dringend brauchen. Ich bin den Menschen, die dies ermöglicht haben, unendlich dankbar: Hedwig Saxenhuber, Office Ukraine und dem MuseumsQuartier Wien. Denn was wir hier erlebt haben, war nicht nur Mitgefühl, sondern echte Hilfe in einer sehr schwierigen Zeit.

Oksana Ivantsova aus Dnipro

Ich war sehr glücklich, am Kunstmarkt im MuseumsQuartier Wien teilnehmen zu dürfen.

Fünf Tage Kunstmarkt waren fünf Tage psychologische Unterstützung für die Teilnehmer:innen. Als kreative Menschen fühlen wir besonders mit unseren Landsleuten in der Ukraine mit. Die Initiative fühlte sich an wie eine Brise frische, friedliche Luft.

Ich habe mich sehr gefreut, die anderen ukrainischen Künstler:innen und die Organisator:innen von Office Ukraine kennenzulernen, es hat mich sehr bereichert.

Vielen Dank an Hedwig Saxenhuber und die Organisator:innen für die Möglichkeit zur Teilnahme. Ich würde mich sehr freuen, auch an weiteren Aktivitäten teilnehmen zu können.

Das BMKÖS verlängert Hilfen für ukrainische Künstler:innen!

Das Sonder-Förderbudget Ukraine-Hilfe für Arbeitsstipendien und Projektförderungen für ukrainische Künstler:innen wird von derzeit 300.000 Euro auf 500.000 Euro erhöht. Zudem wird die Tätigkeit des „Office Ukraine - Shelter for Ukrainian Artists“ bis Ende 2022 verlängert. Das „Office Ukraine“ dient als Plattform, die geflüchteten Künstler:innen aus der Ukraine mit Institutionen, Personen und Initiativen aus Österreich miteinander vernetzt und unterschiedliche Hilfeleistungen anbietet.

Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer besuchte das Office im MuseumsQuartier, um sich persönlich über die erfolgreiche Arbeit zu informieren.

Am Bild: Staatssekretärin Andrea Mayer mit den ukrainischen Künstler:innen Olena Maiorenko, Evgenia Pavlova, Olha Duhota und Vladislava Korotyk.

Fotos: HBF/Laura Heinschink

JUNE

Königin der Katzen

»Office Ukraine. Shelter for Ukrainian Artists« wurde ins Leben gerufen, um ukrainische Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen aller Sparten, die nach Österreich geflüchtet sind, zu unterstützen. Das Projekt ist online und hat darüber hinaus drei Büros (Graz, Innsbruck, Wien). Bis jetzt wurden wir von ca. 400 ukrainischen Künstler:innen kontaktiert und einer großen Zahl konnten wir aktiv helfen. Dabei hilft das Office Ukraine den Künstler:innen bei der Vernetzung mit der lokalen Kunst- und Kulturszene und versucht Unterstützung zu finden. Darüber hinaus organisiert Office Ukraine regelmäßige offline Netzwerktreffen, in denen wir Menschen ermutigen, anderen zu helfen. In unserem Newsletter möchten wir Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen österreichischen und ukrainischen Kulturarbeiter:innen aufzeigen und die Büros vorstellen. Nach wie vor brauchen zahlreiche Künstler:innen Unterstützung. Lassen wir sie nicht im Stich.

Tetiana Shtykalo ist eine Künstlerin aus Odessa (Ukraine), die sich aufgrund des russischen Angriffskriegs gezwungen sah, die Ukraine zu verlassen. Mit ihrem Ehemann und ihrem Hund verließ sie ihre Heimat und kam nach Österreich. »Office Ukraine. Shelter for Ukrainian Artists« half ihnen nicht nur, eine Unterkunft zu finden, sondern auch weiterhin ihrer künstlerischen Arbeit nachgehen zu können. Wir haben mit Tetiana während unseres letzten “Get Together”-Treffens, das alle zwei Wochen im FREIRAUM UKRAINE im MuseumsQuartier Wien stattgefunden hat, gesprochen.

Wie bist du nach Österreich gekommen und wie hast du von Office Ukraine erfahren?

Wir haben die Ukraine am ersten Kriegstag verlassen und sind auf der Suche nach einer leistbaren Unterkunft quer durch Europa gefahren. Schließlich sind wir über Social Media auf das Office Ukraine gestoßen. Wir haben dieses sofort angeschrieben und uns wurden einige Kontakte gegeben. So sind wir an eine österreichische Künstlerin gekommen, die ein Haus angeboten hat. Nun sind wir sehr dankbar, dass wir an diesem sicheren und schönen Ort wohnen können. Wie war dein Leben vor dem Krieg? Ich habe studiert und im Anschluss 22 Jahre als Senior Lecturer an der Pädagogischen Hochschule in Odessa gearbeitet. Ich habe dort Skulptur, Keramik und Zeichnen unterrichtet. In Odessa konnte ich 2018 ein großes Skultpturenprojekt über Katzen realisieren. Projektbeginn war bereits 2012, und es dauerte fünf Jahre, um alle notwendigen Genehmigungen von den städtischen und staatlichen Behörden einzuholen. In Odessa kennen mich alle und nennen mich „Katzenmutter“.

In welcher Form hat Office Ukraine dir geholfen?

Office Ukraine hat mir viel geholfen. Ich konnte mittlerweile ein gutes Netzwerk aufbauen und habe Einladungen für private Projekte und Initiativen erhalten. Aus Erfahrung weiß ich, dass es sogar in Odessa nicht leicht ist, eine Einladung für eine Ausstellung zu bekommen, aber hier in Wien ist wirklich viel los. Ich gebe Filz-Workshops für ukrainische Kinder im Freiraum Ukraine, und am 26. Mai hat ein Gips-Workshop stattgefunden. Ich bin zuversichtlich, dass sich noch mehr daraus ergeben wird, und ich bin natürlich offen für weitere Angebote.

Woran arbeitest du derzeit?

Ich möchte eine große Installation aus Gipsobjekten gestalten. Aber der Arbeitsprozess war nicht einfach. Ich habe sehr viel Gips verwendet, um ein perfektes Ergebnis zu erhalten, und am Ende hat es wirklich geklappt. Es ist ein hohles Objekt und wurde in einer der anspruchsvollsten Gipstechniken ausgeführt. Denn hier in Österreich ist Gips etwas anders als in der Ukraine, und so muss ich viel experimentieren, bevor es klappt.

Was für einen Eindruck hast du von Wien und Österreich bekommen?

Das erste Mal war ich 2002 in Wien zu Besuch. Ich kenne sowohl die Stadt als auch Österreich recht gut. Als ich in Wien war, hatte ich einen Kulturschock. Im Anschluss an die Reise war ich nach meiner Rückkehr nach Odessa einen Monat lang deprimiert. Ich war sehr beeindruckt von der Secession gewesen. Ich mag aber auch die österreichischen Kleinstädte am Land. Es ist ein wundervoller Ort zum Leben. Und ich habe den Eindruck, dass Österreich auch, was das Klima betrifft, große Ähnlichkeiten zu Odessa aufweist. In Wien habe ich jetzt viele Museen und Galerien besucht, und manche sind natürlich interessanter als andere. Ich freue mich schon auf die Ausstellung von Ai Weiwei in der Albertina. Seine Arbeit zu sozialen Themen ist essentiell für mich.

Welche Aspekte des Lebens findest du ungewöhnlich in Österreich verglichen zur Ukraine?

Alle bürokratischen Vorgänge hier in Österreich und dem Rest von Europa verschlingen sehr viel Zeit. In der Ukraine hatte ich mich z. B. daran gewöhnt, meine neue Bankkarte innerhalb von 15 Minuten zu erhalten, hier muss ich zwei Wochen darauf warten. Also muss ich lernen, geduldig zu sein. Ich bin schon über einen Monat in Österreich und habe bisher noch keinen Job, aber ich will alles dafür tun, um rasch einen zu finden. Das Interview wurde geführt von: Natalia Gurova, Office Ukraine/Wien

Unser Spendenkonto: IBAN: AT362011184532396001 BIC: GIBAATWWXXX

WIR STELLEN VOR: OFFICE UKRAINE GRAZ

Das Office Ukraine Graz konnte seit Projektbeginn im März 2022 mit mehr als 80 ukrainischen Künstler:innen und Kulturschaffenden verschiedener Sparten in Kontakt treten. Davon sind rund 30 Personen aktuell in Graz und Umland wohnhaft. Für etwa die Hälfte der Künstler:innen und Kulturschaffenden wurde über das Office Ukraine Graz kostenloser Wohnraum organisiert. Die andere Hälfte ist über private Netzwerke nach Graz gekommen und konnte die Wohnungsfrage eigenständig regeln. Neben dem Support bei der Klärung von Alltagsfragen - vom günstigen Einkauf bis zum Zahnarztbesuch - war das Office Ukraine Graz auch in der Organisation von Kinderbetreuungseinrichtungen tätig. Das Office Graz hat auch intensiv an der Vermittlung und Vernetzung der Schutz Suchenden mit kulturellen Einrichtungen bzw. der Herstellung von Kontakten zur örtlichen Kunstszene sowie an der Kontaktaufnahme zu Bildungseinrichtungen gearbeitet.

Eine erfolgreiche Vernetzung in Form von lokaler institutioneller Anbindung gelang bisher in einem Dutzend Fällen. Als institutionelle Kooperationspartner sind bis dato zu nennen: Universalmuseum Joanneum, Schaumbad - Freies Atelierhaus, HTBLVA Graz-Ortweinschule, Kunstverein Roter Keil, Forum Stadtpark, Akademie Graz, Camera Austria, Illu Kollektiv Graz, the smallest gallery, off_gallery graz, QL Galerie, Kunsthalle Graz. Einen wichtigen Stellenwert nimmt das nunmehr zweiwöchig angebotene “Open House” ein, das bisher sechs Mal abgehalten wurde und Raum für Austausch und Vernetzung von ukrainischen Künstler:innen und Kulturschaffenden mit Personen aus der lokalen Kunstszene bietet. Die Anfragen von bearbeiteten Angeboten - Wohnraum und unterstützende Services aller Art - vor allem aus Graz, aber auch der Steiermark und Kärnten, sowie die Anfragen von Kunst- und Kultureinrichtungen und Medien gehen in die Hunderten. In vielen Fällen konnten hier auch erfolgreich Vernetzungen hergestellt werden.

Neben dem Support bei der Klärung von Alltagsfragen - vom günstigen Einkauf bis zum Zahnarztbesuch - war das Office Ukraine Graz auch in der Organisation von Kinderbetreuungseinrichtungen tätig.

Von links nach rechts: Margarethe Makovec, Johanna Hierzegger, Stephanie Sackl, Johanna Weihrich, Anastasiia Khlestova & Jake, Anton Lederer, Lara Almbauer (Photo von Office Ukraine Graz, März 2022)

Das Team des Office Ukraine Graz besteht aus Johanna Hierzegger, Anastasiia Khlestova, Stephanie Sackl und den beiden Leiter:innen Margarethe Makovec und Anton Lederer des Grazer Zentrums für zeitgenössische Kunst < rotor >, welches die Homebase für die Arbeit des Office Ukraine Graz darstellt.www.rotor.mur.at

Das »Office Ukraine. Shelter for Ukrainian Artists« ist in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft, tranzit.at, < rotor > Zentrum für zeitgenössische Kunst, Künstlerhaus Büchsenhausen, springerin und anderen Initiativen entstanden. Wir arbeiten eng mit dem BMKÖS (Bundesministerium für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport), tranzit.at, BMEIA (Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten), dem MuseumsQuartier Wien und FREIRAUM UKRAINE zusammen. Wir möchten uns außerdem bei allen Unterstützer:innen - Einzelpersonen, Institutionen und Initiativen - sehr herzlich für ihre Solidarität mit den ukrainischen Künstler:innen und Kulturschaffenden bedanken.

STATISTISCHE DATEN

Office WIEN

240 Anfragen
110 Künstler:innen in Wien

Office GRAZ

80 Anfragen
30 Künstler:innen in Graz

Office INNSBRUCK

60 Anfragen
29 Künstler:innen in Innsbruck

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